Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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erworben  hat*).  Die  Pächter,  die  unter  den  neuen  Erwerbern  an  erster
Stelle  stehen,  hatten  zumeist  größere  Erfahrung 3 ).  Es  ist  auch  kein  Zufall,
daß  gar  manches  ostpreußische  Rittergut  damals  in  die  Hand  einer  jener
Salzburger  Faniilien  kam,  deren  musterhafter  Wirtschaftsführung  die
Provinz  so  viel  verdankt.  Daß  mannigfach  auch  zweifelhafte  Elemente  sich
den  billigen  Erwerb  zunutze  machten,  ist  bekannt.  In  der  Hauptsache  hat
aber  doch  die  Zufuhr  frischen  Blutes  der  Provinz  Segen  gebracht^).
Schön  hat  dies  Hereinströmen  neuer  Kräfte  begünstigt.  Um  die  „Erhaltung ­
  des  alten  Stammes  der  Nation"  hat  er  sich  so  weit  bemüht,  als
das  ihm  zur  Verfügung  stehende  Unterstützungskapital  es  ermöglichte.  Wo
aber  ein  Gut  subhastiert  werden  mußte,  da  behielt  sein  Grundsatz  von  1807
Geltung,  daß  für  den  Staat  derjenige  der  beste  Eigentümer  sei,  der  den
meisten  Kredit  sowohl  in  Absicht  seines  Verniögens  wie  seiner  Fähigkeiten
aufzuweisen  habe.  So  glauben  wir  auch  Schöns  eigensten  Gedanken  zu
vernehmen,  wenn  wir  in  einer  zeitgenössischen  Schrift  über  Ostpreußen
lesen:  Für  die  unglücklichen  Opfer  der  Subhastationen  müßten  andere
eintreten  „mit  frischen  Kräften  und  mit  angemessenem  Vermögen,  sowohl
in  pekuniärer  als  auch  in  intellektueller  Hinsicht"*).
Schön  hoffte  namentlich,  daß  die  niedrigen  Preise,  zu  denen  die  Güter
in  Ostpreußen  zum  Verkauf  kamen,  eine  große  Zahl  von  Käufern  aus
dem  übrigen  Deutschland  anlocken  werde.  Er  hat  versucht,  für  den
Zuzug  nach  Preußen  Propaganda  zu  machen  und  hat  zu  diesem  Zwecke
die  Verbindungen  benutzt,  die  er  als  junger  Mann  bei  seiner  Studienreise
mit  Landwirten  Mitteldeutschlands  angeknüpft  hatte.  So  trat  er  auch  in
Beziehungen  zu  dem  Kammerrat  Avenarius  in  Halberstadt  und  bat  ihn
unter  den  Kauflustigen  jener  Gegend  für  die  Provinz  Preußen  zu  werben.
Avenarius  hat  daraufhin  unter  Benutzung  des  von  Schön  mitgeteilten
Materials,  aber  ohne  sein  Wissen  die  eben  erwähnte  Schrift  „Über  den
Verkauf  zahlreicher  adelicher  Güter  in  der  Provinz  Preußen"  abgefaßt.

i)  Vgl.  die  Schilderung  bei  Theodor  Freiherr  v.  d.  Goltz,  Geichichte  der  deutschen
Landwirtschaft,  2.  Bd.  (1903),  S.  16öff.
-)  Thaer,  der  1819  Ostpreußen  bereiste,  urteilte:  „Intelligenz  und  rrch  8
Urtheil  über  landwirtschaftliche  Angelegenheiten  habe  ich  in  Ostpreußen  und  Lr  ,
sehr  viel  angetroffen,  besonders  bei  den  Pächtern  und  Acquirenten  er  o
Eher  fehlt  es  an  reger  Thätigkeit;  sie  leben  in  einem  Zustand  von  BehagUchk  ,
welchem  sie  die  Unternehmung  von  Verbesserungen,  deren  Werth  ste  wo)  "n  r
herausziehen  würde."  Bericht  an  Schuckmann,  26.  Sept.  1819.  Geh.  S  -  *  '
3 )  So  das  auf  Theodor  Freiherr  v.  d.  Goltz  zurückgehende  Ur  ei
brechers,  Grenzboten  1878  I  S.  24.  .
4 )  Ludwig  Avenarius,  Über  den  Verkauf  zahlreicher  adelicher  Guter  m
Provinz  Preußen,  nebst  einer  gedrängten  Beschreibung  der  zum  Verkaufe  g  \
Güter  selbst.  Halberstadt  1827.  S.  19.
            
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