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9. Proviuzial-Laudtags (v. Auerswald, v. Lavergne-Peguilhen und
Siehr) in einer Denkschrift das Urteil ausgesprochen, daß der fast allgemeine
Besitzwechsel den größeren Gütern nicht unerhebliche Betriebsmittel zu
geführt und dadurch den Wirtschaftsbetrieb sehr gekräftigt habe*).
■ Schön suchte sich bei den einzelnen Verkäufen dadurch zu sichern, daß
er möglichst hohe Anzahlungen verlangte. Seit 1827 aber erleichterte er
auf Wunsch des Generallandtags und der Regierung die Bedingungen des
Verkaufs. Es wurden Teilzahlungen mit Terminen bis zu dreißig Jahren
zugestanden. Dies hatte nun wohl zur Folge, daß die Konkurrenz sich ver
mehrte und die Preise stiegen. Aber zugleich wurden auch Käufer mit
geringen Mitteln angelockt. Von neunzig Gütern, die unter solchen er-
leichterndeu Bedingungen verkauft worden sind, waren 1835 bereits
31 Kapitalsraten schuldigt).
Woher sollte aber auch in kurzer Frist eine genügend große Zahl
geeigneter Käufer kommen? Der wunde Punkt in Schöns Verfahren
ist die Eilfertigkeit, mit der in wenigen Jahren eine Masse von Gütern
am Markt ausgeboten wurde. Es ist fraglich, ob durch ein langsameres
Verfahren sehr viel mehr Eigentümer in ihrem Besitz erhalten worden
wären. Die große Verschuldung hätte doch am Mark des Großgrundbesitzes
gezehrt, und einer schleichenden Krankheit wären die meisten von denen
zuni Opfer gefallen, die jetzt der durch Schön herbeigeführten akuten Krisis
erlagen. Aber das massenhafte Angebot hat den Preis der Güter
herabgedrückt — sie wurden 1826—29 durchschnittlich 36% unter Tax
wert verkauft —, und es hat damit den Ausfall, den die Landschaften
erlitten und den der Staat ihnen größtenteils ersetzte, unverhältnismäßig
erhöht. Überdies ist auch gar mancher hinter der Landschaft eingetragene
Gläubiger geschädigt worden. Auf diese drohenden Verluste hatten ja die
landschaftlichen Behörden seit zwei Jahrzehnten hingewiesen, wenn sie an
gegriffen wurden, weil sie nicht rascher zur Subhastation verschuldeter Güter
schritten, und hatten dies Zögern als weise Schonung des Kauf- und Leih
kapitals gerechtfertigt. Freilich waren auch die Dinge in dieser Zeit nur
nichts besser geworden.
Das Bedenken, daß der nmssenhafte Verkauf der Güter zu Schleuder
preisen den Realkredit vernichte, ist Schön zum ersten Male auf dem
Generallandtag von 1826 entgegengebracht worden. Er hat ganz im Geiste
seiner nationalökonomischen Theorie geantwortet, daß niedrige Preise die
Konkurrenz der Kauflustigen vermehrten und dadurch automatisch der Preis
1) Landwirtschaftliches Jahrbuch a. d. Prov. Preußen, Bd. 1 (1849), S. 295.
Vgl. das Urteil Böhmes S. 86f.
2 ) Bericht an den Generallandtag von 1835.
Schriften des Instituts für ostdeutsche Wirtlchaft. Heft t.