Full text : Bilanztechnik und Bilanzkritik

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Bilanzdelikte.

System  von  Um-  und  Rückbuchungen  konstruiert  wird,  Gründungen, ­
  die  auch  die  Finanzgebarung  verschleiern  sollen.
Eine  Aktiengesellschaft  verwandelte  Ende  1895  eine  Bankschuld ­
  von  541  095  mit  Hilfe  der  Aktienemission  und  durch
vorzeitige  Buchung  der  Vollzahlung  in  ein  Bankguthaben  von
499  709.  Ein  Jahr  später  wurden  Bankschulden  im  Betrage  von
1088290  M.  zu  1157249  M.  Bankguthaben,  indem  man  2  Mill.  M-Obligationen
  als  bereits  realisiert  verbuchte,  deren  Begehung
erst  April  1897  geschah.  Die  Übereinstimmung  der  Bücher  mit
der  Bilanz  wurde  erzielt,  indem  man  die  Positionen  der  Schlußbilanz ­
  einfach  in  die  Hauptbuch-Konten  als  Saldovortrag  übertrug ­
  und  dann  die  neue  Bilanz  auf  Grund  der  Bücher  aufstellte.
Ein  besonderer  Fall  einer  falschen  Bilanz  verdient  noch  Erwähnung. ­
  Eine  offene  Handelsgesellschaft  wurde  in  eine  Aktiengesellschaft ­
  „umgegründet“.  Die  Übernahme  erfolgte  auf  Grund
der  Inventarisierung  der  Vorbesitzer.  Die  (verspätete)  Nachprüfung ­
  des  Verkehrswertes  der  Sacheinlagen  ergab,  daß  eine
große  Anzahl  der  als  eingebracht  berechneten  Maschinen  überhaupt ­
  nicht  eingebracht,  eine  Reihe  älterer  und  alter  Maschinen
zu  einem  den  Neuwert  30—-70  %  übersteigenden  Preis  inferiert,
daß  Einrichtungsgegenstände  und  Gerätschaften  vielfach  doppelt
und  dreifach  berechnet  und  daß  die  eingebraohten  Warenvorräte
teilweise  zu  höheren  Preisen  übergeben  worden  waren,  als  sie
zur  Zeit  der  Gründung  brutto  ohne  Abzug  von  Skonto,  Provision
und  Fracht  verkauft  werden  konnten.  Warenschulden,  die  von
der  Aktiengesellschaft  nicht  übernommen  waren,  bezahlte  der
in  den  Vorstand  eingetretene  Vorbesitzer  kurz  nach  der  Gründung ­
  mit  dem  Gelde  der  Aktiengesellschaft.  Die  Gründungsbilanz ­
  war  falsch  trotz  des  guten  Glaubens  des  Vorstandes.
In  einem  anderen  Fall  stand  das  Maschinen-Konto  in  der
Schlußbilanz  mit  117000  M.  zu  Buch,  am  1.  Januar  des  folgenden
Bilanzjahres  wurde  es  mit  236  000  belastet,  so  daß  in  der  Silvesternacht ­
  eine  Werterhöhung  um  119  000  M.  stattgefunden
haben  muß.
Im  Zusammenbruch  der  Niederdeutschen  Bank,  Dortmund,
wurde  eine  Reihe  von  Bilanzfälschungen  aufgedeckt.  1907  verkaufte ­
  der  Direktor  600  000  M.  Aktien  zu  25  %  an  seine  Bank.
Der  Einkaufspreis  wurde  mit  120%  verbucht  (731000  M.);  hier ­
            
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