Full text: Bilanztechnik und Bilanzkritik

Bilanzdelikte. 
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(Forderungen), Aufnahme von non valeurs mit deren Erwerbs- 
preis, uneinbringlicher Forderungen mit deren Nennwert, fauler 
Außenstände ohne Abschreibungen, verfallener Patente mit 
einem Geldwert u. ä. Eine Aktiengesellschaft verteilte die Unter 
bilanz von 65012 auf Aktiv-Konten durch Erhöhung der Werte. 
In einem anderen Falle wurden um den Betrag der Unterbilanz 
and zur Schaffung eines Überschusses die Debitoren entsprechend 
erhöht, die Schulden ermäßigt und diese Falschbuchungen im 
neuen Jahr zurückgebucht. Zur Erhöhung waren das Privat- 
Konto des Direktors und die Namen einiger dem Direktor nahe 
stehender Personen benutzt worden. Die Rückbuchung erfolgte 
nicht in einem Betrag, sondern auf eine Reihe kleinerer Posten 
^erteilt. 
Eine Züricher Seidenspinnerei verbuchte Effektenspeku- 
lationen unter Waren und verteilte die Börsenverluste auf Chappe-, 
Warenlager-, Wechsel- und Tratten-Konto. Eine preußische 
Hypothekenbank verheimlichte das Kontokorrent-Geschäft, in 
dem sie Debitoren und Kreditoren willkürlich verringert in die 
Bilanz einstellte (1897 um 28 Milk, 1899 Kreditoren 3,37 Milk 
anstatt 26,79 Milk), die Debitoren als Hypothekenanlagen ver 
buchte, andere Außenstände von den Kreditoren in Abzug 
brachte; Effekten waren auf Debitoren-Konto gebucht, bereits 
^edierte Hypothekenforderungen unter den Beständen ange 
führt usw. 1 ). 
Sogenannte „Schiebungen“ dienen gleichfalls der Bilanz 
fälschung; so erwarb beispielsweise ein Unternehmen von einer 
Fabrik Patente für 200 000 M., gründete eine Patentverwertungs- 
Gesellschaft m. b. H. und brachte dieselben Patente mit wesent 
lich höheren Werten ein. Auf diese Weise wurde der Bilanzverlust 
von 157 000 in einen Reingewinn von 23 000 verwandelt und 
die Verteilung einer 5 % Dividende ermöglicht. Eine bedeutende 
Holle spielt bei solchen Schiebungen die Selbstbelastung des 
Kontos eines Direklionsmitgliedes oder des Aufsichtsrates. Rei 
chen die Falschbuchungen nicht aus, gründet man eine Reihe 
von Gesellschaften, auf die ein mitunter höchst verwickeltes 
J ) Störungen im deutschen Wirtschaftsleben. Leipzig 1903, S. 28, 
39, 67.
	        
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