Neuzeitliche Bilanzf ragen.
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Wiederbeschafjungs- oder Ersatzbeschaffungskosten zu berücksich
tigen, z. B. bei der Bemessung von Anlageabschreibungen und
bei der Bewertung von Werkstoffen.
b) Viele Bilanzgelehrte (Passow, Schär, Osbahr u. a. m.)
sehen in der jährlichen Schlußbilanz eine Zusammenstellung
von Wertziffern des Vermögens und der Schulden. Die Dar
stellung der „Lage des Vermögens“ (nach § 38 HOB., zum Ge
genwartswert nach § 39 HGB., insofern das Gesetz nichts anderes
vorschreibt) ist ihrer Meinung nach Selbst- und Hauptzweck,
die Erfolgsberechnung ist das Sekundäre, von der Vermögens
bilanz Abgeleitete und eine durch sie in ihren Ergebnissen ab
hängige Berechnung: statische Auffassung, wie man sie neuer
dings bezeichnet hat. Die Schriftsteller dieser Gruppe müssen
mit den Wertproblemen der Sozialwirtschaftslehre operieren:
Gebrauchs-, Veräußerungswert, gemeiner Wert usw. Die Ab
schreibungsbewertung ist hier Bewertung der Brauchbarkeits
minderung, der Abnutzung.
Schmidt (Die organische Bilanz im Rahmen der Wirtschaft,
Leipzig 1921) baut die Vermögens- und die Erfolgsberechnung auf
den Ersatzwert auf (a. a. 0. S. 125); die Vermögensbilanz auf den
Ersatzwert des Bilanztages, die Erfolgsrechnung auf dem Ersatz-
wert des Umsatztages, des Marktüberganges, durch Einstellung
eines Wertberichtigungspostens ( = Wertveränderung der Kosten
innerhalb der Produktionsperiode, gemessen an den Ersatz
kosten der Umsatzkosten des Umsatztages, Schmidt a. a. 0.
S. 117).
II. Geldentwertung und Wertschwankungen.
Die Jahresschlußbilanz sowohl als Selbstzweck wie auch
als Mittel zum Zweck der Erfolgsberechnung eines Wirtschafts
jahres setzt eine gewisse Stetigkeit des Geldes und normale
Preisbewegungen voraus. Die Sachwertteuerung als Folge
erscheinung des Krieges (Verschiebung zwischen Angebot und
Nachfrage), die Geldentwertung, d. i. die Verminderung der
Kaufkraft des Geldes und seine Geringschätzung im Ausland,
endlich die steuerliche Belastung der Unternehmung hat das
in der Vorkriegszeit trotz allem solide Fundament der jähr
lichen Bilanzierung ins Wanken. gebracht; die an sich nicht