Object: Die deutsche Wirtschaft

436 Walther Basson: 
in der Natur der Sache, daß der Warencharakter in besonders 
entscheidendem Maße die Funktionen des Handels beeinflußt, In 
diesem Zusammenhang betrachtet, ist die Natur der Ware für die Be- 
triebsform und den Daseinszweck des Großhandels von großer 
Wichtigkeit. Es hat sich gezeigt, daß die Lebensfähigkeitdes 
Handels um so unbestrittener ist, je differenzierter eine 
Ware ist, je höheren spezifischen Wert eine Ware hat und je mehr der 
Handel die Funktion des Sortierens ausüben muß, bzw. der Charakter 
der Ware dazu neigt, sich als börsenfähiges Gut (z, B. Getreide, 
Futtermittel, Kaffee, Metalle) verwerten zu lassen. Auch die Lebens- 
dauer bzw. die Verderblichkeit einer Ware wird oft bestimmend für 
seine Eignung als Handelsware, wie wir bereits an anderen Stellen 
dieses Aufsatzes gesehen haben (Altwarenhandel, Handel mit Nahrungs- 
mitteln, Früchten usw.). 
Wir können allmählich die große Linie erkennen, die dahingeht, 
daß der Warencharakterunterschied zwischen Rohstoffen und Fabri- 
katen mitbestimmend wird für die Möglichkeit der dauernden 
Einschaltung des Handels in den Gesamtwirt- 
schaftsverkehr, In erster Reihe sind es die Rohstoffe aus 
Heimatland und Übersee, deren Sortierung dem Handel obliegt 
und deren Wert erst am Zentralmarkt meist börsenmäßig bestimmt 
werden muß, Der Großhandel in Verbindung mit der internationalen 
Börsenarbitrage sorgt für die Bildung eines einheitlichen Welt- 
marktpreises, der sich wieder ohne Einschaltung des reinen 
Spekulativhandels nicht reibungslos vollziehen läßt, denn 
dieser wieder sorgt dafür, daß der Effektivhandel Geschäfte auf 
weite Sicht in aller Ruhe abwickeln kann. 
Ganz anders liegt die Situation beim Handel mit Fabrikaten 
Hier liegt die Preisbildung nicht so sehr in der Hand des Großhandels 
als in der Hand der Industrie, denn erst die Rohstoff- und 
Arbeitskosten bilden die Preisgrundlage der Fabrikate, Die Er- 
oberung der Absatzgebiete ist im Fabrikatenhandel die wesentlichste 
Aufgabe, weshalb auch oft die Hersteller der Fabrikate in rücksichts- 
losester Weise versuchen, sich Absatzgebiete im In- und Auslande zu 
verschaffen; in diesem Kampfe um die Absatzgebiete schneidet natur- 
gemäß der Handel in zahlreichen Fällen wesentlich ungünstiger ab als 
die Industrie, weil der Handel an eine bestimmte, von ihm nicht beein- 
flußbare Preisgrundlage gebunden ist, welche die Industrie festsetzt. 
Dennoch werden wir an späterer Stelle unseres Aufsatzes erkennen, 
daß die Funktion des Großhandels als letzter Verteiler an 
den Konsum jedoch gerade die Hauptstärke ausmacht und, soweit 
wir bisher übersehen, von anderen Einrichtungen der Wirtschaft nicht
	        
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