fullscreen : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  Y.  Proudhon  und  der  Sozialismus  von  1848.

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Hierin  liegt  der  Diebstahl.  Deshalb  definiert  er  das  Eigentum:
„Als  das  Eecht,  nach  Belieben  von  dem  Besitz,  den  Erzeugnissen  des
Fleißes  und  der  Arbeit  anderer  Vorteile  zu  ziehen  und  darüber  zu
verfügen“ 1 ).
Das  Thema  ist  nicht  neu.  Nach  Peoudhon  wird  es  noch  oft
aufgegriffen,  unter  anderen  von  Eodbeetus.  Die  Originalität  des
Buches  beruht  daher  auch  nicht  so  sehr  auf  den  Gedanken  als  auf
der  sprühenden  Darlegung,  der  Kraft  des  Stiles  und  der  Schärfe  der
Polemik,  die  sich  gegen  die  alten  Argumente  derer  richtet,  die  das
heutige  Eigentum  auf  die  Arbeit,  das  natürliche  Eecht  oder  die  Besitzergreifung ­
  gründen.  Ein  deutscher  Schriftsteller  hat  sagen
können' 2 ),  daß  dieses  Buch,  wenn  es  in  Deutschland  oder  in  England
erschienen  wäre,  kein  Aufsehen  erregt  hätte,  weil  in  diesen  Ländern
das  Eigentum  hinter  viel  wissenschaftlicheren  Gründen  verschanzt
sei  als  in  Frankreich 8 ).  Seine  ganze  Kraft  käme  von  der  Schwäche
der  gegnerischen  Gründe.  Das  heißt  sein  Verdienst  ungebührlich
herabsetzen.  Die  Denkschrift  über  das  Eigentum  war  der  „Pistolenschuß“ ­
  auf  der  Straße,  der  jeden  zwingt,  sich  umzudrehen.  Sie  tat
für  den  französischen  Sozialismus  nur  das,  was  Lassälle  später  für
den  deutschen  Sozialismus  getan  hat.  Sie  hat  Gedanken  in  die  Welt
geschleudert,  keine  neuen  Gedanken,  aber  Gedanken  in  einer  neuen
Form  von  zündender  Kraft.
Man  findet  jedoch  in  diesem  Buche  geistreiche  Ausblicke,  von
denen  besonders  einer  hervorgehoben  zu  werden  verdient,  nicht  so
sehr  seiner  Wahrheit  als  seiner  Originalität  wegen.  Alle  sozialistischen ­
  Theoretiker  haben  sich  gefragt,  wie  die  beständige  Beraubung,

werden;  —  daß  daher  im  Wirtschaftsleben  jedes  Erzeugnis  aus  der  Arbeit  stammt,
Und  daß  daher  umgekehrt  jedes  Kapital  unproduktiv  ist“  —  und  an  anderer  Stelle:
»Arbeiten  ist,  aus  nichts  etwas  erzeugen“  (Solution  du  probleme  social,
®u  vres,  Bd.  VI,  S.  261  ff.  und  S.  187).
1 )  Propriete,  1 er  Memoire,  S.  133.
2 )  L.  y.  Stein,  Geschichte  der  sozialen  Bewegung  in  Frankreich,
Leipzig.  1850,  Bd.  III,  S.  362.  Dieses  Werk  ist  übrigens  äußerst  bemerkenswert.
3 )  Wahr  ist,  daß  Proudhon  sich  zur  Bekämpfung  des  Eigentums  einzig  auf  den
kechtsStandpunkt  stellte.  Br  wies  nach,  daß  alle  Eechtsprinzipien  (Eecht  der
Besitzergreifung,  natürliches  Eecht  und  besonders  die  Arbeit),  die  im  allgemeinen
zugunsten  des  Eigentums  angeführt  werden,  sich  gegen  das  Eigentum  anwenden
lassen,  so  wie  es  heute  besteht.  Dieses  Eigentum  ist  in  der  Tat  auf  einige  Personen
beschränkt,  während  diesen  Prinzipien  die  Verallgemeinerung  des  Eigentums
unter  Alle  zugrunde  liegt.  Eine  derartige  Kritik  ist  allerdings  richtig,  beweist  aber
nicht  viel  gegen  die  (zahlreichen)  Verteidiger  des  Eigentums  infolge  seiner  sozialen
Nützlichkeit.  Daher  erscheint  uns  die  Kritik  des  Eigentums  der  Saint-Simonisten,
die  sich  auf  den  Standpunkt  der  Nützlichkeit  und  der  Produktion  stellten,  ohne  den
rechtlichen  zu  vernachlässigen,  bedeutend  gewichtiger.  Aus  diesem  Grunde  betrachten
wir  sie  als  die  wirklichen  Kritiker  des  Privateigentums.
            
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