Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

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Man muß auch hinter der Hauswirtschaft die ständischen 
Gliederungen erblicken und dars nicht den geradezu wider 
sinnigen Gedanken hegen, es sei das Wirtschafts 
leben eines Volkes zu irgendeiner Zeit 
durch eine Summe, durch ein Nebenein 
ander, geschlossener Hauswirtschaften be 
stritten worden! Das gibt es auch bei den einfachsten 
Naturvölkern nicht. Stets und überall sind Zusammenhänge 
zwischen den Hauswirtschaften und zwar organische Glied- 
haftigkeiten, überhauswirtschaftliche Bindungen vorhanden ge 
wesen, wie wir schon früher (s. oben S. 29 f.) feststellten; 
die zugleich echte „Volkswirtschaft" sind (auf welche wir da 
her nicht bis 1789 warten mußten, wie Büchers primitiver 
Darwinismus glaubt). Ohne Eingliederung in gauwirtschaft 
liche, volkswirtschaftliche und weltwirtschaftliche Überganz- 
hciten wäre keine der geschichtlichen Formen der Hauswirt 
schaft möglich gewesen. „Hauswirtschaft" heißt nichts anderes 
als ständische Wirtschaft bei überwiegend ackerbaulichem In 
halte und hofwirtschaftlicher Betriebsform. Nur in solchem, 
das Ständische unterteilendem Sinne kann der Begriff „Haus 
wirtschaft" überhaupt gebraucht werden. Zunftmäßig wie hof 
mäßig organisierte Wirtschaft sind gleicherweise Beispiele für 
körperschaftlich-ständisch gegliederten Bau der Volkswirtschaft. 
Dasselbe gilt von der S t a d t w i r t s ch a f t. Auch sie 
war kein Nebeneinander von städtischen Wirtschaftskörpern. 
Sondern diese Wirtschaftskörper hatten bestimmte Verrich 
tungen innerhalb der Gesamtwirtschaft: Nah- und Fernhandel, 
Gewerbe, das die Fronhofswirtschaft zu ergänzen hat, mit 
Nah- und Fernausfuhr, Kapitalverwertung und Kapital 
bildung nebst allen jenen Verrichtungen, die dem jeweils 
überlegenen Wirtschaftszentrum zukommen. Die innere 
Gliederung der Stadtwirtschaft und der Grad ihrer Selbst 
versorgung ist dem gegenüber etwas Abgeleitetes. Denn jedes
	        
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