Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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Obligationen  anzunehmen,  natürlich  mit  der  Verpflichtung,  daß
Zins-  und  Rückzahlungen  ebenfalls  in  Gold  stattfanden 40 .
Die  Rüppell  &  Harnier  verkauften  also  die  Obligationen  direkt
an  den  Landgrafen.  Die  Zinszahlungen  und  sonstigen  Obliegenheiten ­
  übernahm  Rothschild.  Er  hatte  das  Geschäft  angeregt,  und
nachdem  dieser  schüchterne  Versuch,  sich  dem  Landgrafen  auf
einem  neuen  Wege  zu  nähern,  geglückt  war,  wurde  er  kühner.
Seine  Beziehungen  zum  hessischen  Fürstenhaus  erleiden  von
jetzt  ab  keine  Unterbrechung  mehr.  Noch  im  November  1801
machte  er  eine  Lombardanleihe  beim  Landgrafen  im  Betrage  von
160  000  Rtlrn.  zu  4°/o.  Im  Juli  1802  erfolgte  die  zweite  Lombardanleihe ­
  im  Betrage  von  200  000  fl  24  ff.  Sie  wurde  zur  Hälfte  für
Rothschild  selbst,  zur  Hälfte  für  seine  Söhne  Amschel  Mayer  und
Salomon  Mayer  bewirkt 41 .
Beide  Söhne  waren  in  demselben  Jahre  zu  hessischen  Kriegszahlamtsagenten ­
  ernannt  worden,  woraus  hervorgeht,  daß  sie  sich
bereits  Verdienste  um  den  hessischen  Fürsten  erworben  hatten.
Man  darf  aber  nicht  glauben,  daß  nun  etwa  die  Geschäfte  mit  dem
hessischen  Hof  sich  besonders  leicht  arrangierten.  Denn  Großzügigkeit ­
  und  Vertrauen  waren  dem  Landgrafen  fremd.  Jede  Sache
wurde  von  ihm  auch  im  einzelnen  peinlich  erwogen.  Was  er  den
ausführenden  Organen  hätte  überlassen  können,  behielt  er  eigener
Prüfung  und  Entscheidung  vor.  Mißtrauen  und  eine  geizige  Furcht
vor  Übervorteilung  waren  bei  ihm  zu  einer  Art  stetig  wiederkehrender
Zwangsvorstellung  entwickelt  und  traten  gegebenenfalls  auch  gegenüber ­
  solchen  Personen  auf,  die  ihm  Beweise  von  Vertrauenswürdigkeit ­
  gegeben  hatten.  Vielleicht  war  seine  eigenartige  Vorsicht  nicht
nur  durch  Naturanlage  bedingt,  sondern  auch  durch  die  damaligen
Beamten  Verhältnisse  verursacht,  bei  denen  Treue  im  heutigen  Sinne
weniger  vorausgesetzt  und  weniger  geübt  wurde.
Im  Jahre  1802  hatte  der  König  von  Preußen  beim  hessischen
Landgrafen  den  Rest  einer  Kapitalschuld  von  1  500  000  fl  heimzuzahlen, ­
  und  von  diesem  Posten  sollten  200  000  fl  durch  das  Darlehen
bei  Rothschild  zinsbar  gemacht  werden.  Dieser  war  persönlich  in
Kassel  anwesend,  als  er  sich  um  den  Kapitalvorschuß  bewarb.  Der
Landgraf  entschied  zunächst,  daß  Rothschild  erst  zu  befragen  sei,
was  für  Staatspapiere  er  einlegen  wolle.  Rothschild  erklärte,  er
wolle  dänische,  Frankfurter  und  andere  gleich  solide  Papiere  zum
Unterpfand  geben  und  das  Geld  ratenweise,  nachdem  er  zuvor
            
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