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4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
Nach der Auffassung Wicksell’s ist ein großer Teil der staatlichen
Ausgaben derartiger Natur, daß sie gewissen partiellen Interessen
dienen. Dieselben wären also nach diesem Modus leichter durch
zusetzen. Dasselbe Verfahren wäre auch dann anzuwenden, wenn
es sich um Herabsetzung von Ausgaben handelt. Dieses Verfahren
würde überhaupt eine Umgestaltung des Budgets erfordern in der
Weise, daß jede Ausgabe auf eine gewisse Einnahme basiert würde,
wie dies namentlich früher der Fall war. Wenn dann eine ge
wisse Interessengruppe eine Staatstätigkeit für überflüssig hält,
dann würde mit deren Einstellung auch die betreffende Einnahme
quelle sistiert. Das hier geschilderte Verfahren würde den Minori
täten einen viel größeren Schutz gegen Überlastung gewähren, was
gegenwärtig ganz besonders im Interesse der unteren Klassen liegt
gegenüber den übrigen Klassen, aber in Zukunft im Interesse dieser
Klassen liegen könnte gegenüber den zuweitgehenden Ansprüchen
der unteren Klassen. Das Interesse der Minoritäten würde dann
noch durch das Prinzip der Proportionalwahl befördert werden.
Dieses Vorgehen, meint Wickseil, hat dann noch den Vorteil, daß
die Steuern nicht als Lasten empfunden würden, sondern als Mittel,
wodurch die Gesamtheit im allgemeinen und jede Klasse für sich
zu Vorteilen gelangen könnte, welche sonst nicht erreichbar waren.
Natürlich kann das hier geschilderte Vorgehen nur auf einen Teil
der Ausgaben Anwendung finden und wenn die Interessenten die
Last zu übernehmen geneigt sind, dann brauchte die betreffende
Ausgabe im Budget überhaupt nicht aufgenommen zu werden.
Bei der Opfertheorie verursacht die größte Schwierigkeit die
Feststellung der Gleichheit des Opfers. Zur Erreichung dieses
Zieles wurden verschiedene Versuche gemacht. So versuchte Cohen-
Stuart das Problem mit Hilfe der Grenznutzentheorie zu lösen.
Ein anderer Schriftsteller (Cassel) hat einen interessanten Weg
gewählt, um die Gleichheit der Opfer bei verschiedenem Einkommen
festzustellen. Er geht vom Arbeitsverdienst aus. Jedes Einkommen
und daher jedes Opfer an Einkommen kann auf Arbeit resp.
Arbeitszeit zurückgeführt werden. Die Gleichheit des Opfers bei
ungleichem Einkommen wäre dann erreicht, wenn jeder ein gleiches
Opfer an Arbeitszeit dem Staate zur Verfügung stellt. So wie der
Staat beim Heeresdienst von jedem ein gleiches Opfer fordert, der
Reiche wie der Arme opfern gleichermaßen ein Lebensjahr, ebenso
würde der Staat auf dem Gebiete der Steuer von jedem dasselbe
Maß an Opfer verlangen, nehmen wir an 30 Arbeitsstunden. Nun
muß der Wert dieser Arbeitsstunden in Geld umgerechnet werden.
Wenn jemand jährlich mit 300 Arbeitstagen, täglich 10 Stunden,