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4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
anderen Verhältnissen hätte man die Besteuerung von Kohle und
Eisen, den Grundlagen der Produktion, für eine Ungeheuerlichkeit
gehalten. Die Verteuerung dieser wichtigsten Produktions- resp.
Hilfsmittel findet nur darin seine Entschuldigung, daß sie im Ver
hältnisse zur kolossalen Steigerung der Preise ganz minimal ist, und
daß von einzelnen Staaten, die Überschüsse produzieren, die Steuer
überwälzt werden kann.
III. Abschnitt.
Die Zuckerstener.
1. Die von Napoleon I. angeordnete Kontinentalsperre bot
Gelegenheit zu Experimenten, welche die Ersetzung des Rohrzuckers
durch Rübenzucker bezweckten. Diese Experimente waren von
durchschlagendem Erfolg begleitet und der aus der Zuckerrübe
hergestellte Zucker hat den Rohrzucker aus Europa fast vollständig
verdrängt. Abgesehen davon, daß hierdurch also der von jenseits
des Ozeans importierte Rohrzucker überflüssig wurde, gewann Europa
emen wichtigen, kräftigen Industriezweig, welcher der gewerblichen
Tätigkeit und dem gewerblichen Kapital ein weites Feld der Be
tätigung öffnete. Dieser Industriezweig war noch mit der wohl
tätigen Wirkung verbunden, daß er der Landwirtschaft einen Sporn
zur intensiven Bewirtschaftung gab und auch auf die Viehzucht
fördernd einwirkte. Die Rübenzuckerindustrie nahm einen mächtigen
Aufschwung, befördert durch die ihr gewährten Einfuhrzölle und
nicht in geringem Grade auch durch die offen oder versteckt ge
botenen Exportprämien. Die Zunahme der Rübenzuckerproduktion
ersehen wir aus folgenden die europäische Rübenzuckerproduktion
veranschaulichenden Daten:
1852/3: 202000 Tonnen
1910/11: 8471000
Und wählend im ersteren Zeitraum von der Zuckerproduktion
der Weit auf Rübenzucker 14 Prozent, auf Rohrzucker 86 Prozent
entfielen, entfallen im zweiten Zeitraum auf den Rübenzucker 57 6
Prozent, auf Rohrzucker 42,4 Prozent
Uber die Besteuerung des Zuckerverbrauchs ist es gewiß über-
üieben zu sagen, wie es Pfeiffer tat, daß alle Gründe, welche gegen
die Salzsteuer sprechen auch gegen die Zuckersteuer angeführt