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die Gerste ein für das spätere Keimen wichtiges Quantum Wasser auf und gibt gewisse, bittere Extrakt -
Stoffe ab. Das fertige Weichgut wird auf geräumigen, sauberen Malztennen ausgebreitet und hier bei
bestimmter Temperatur (etwa 9 bis 15 Grad Celsius) und wiederholtem Umwenden der Malzhaufen dem
Keimen überlassen. In etwa 8 bis 9 Tagen, während welcher Zeit die Gerste auf der Tenne verbleibt,
macht sie einen eigentümlichen Prozeß durch, bei welchem sich das Stärkemehl verändert und ein Enzym,
die Diastase, gebildet wird. Das nach beendeter Keimzeit — die Sachkunde des Mälzers muß die richtige
Zeit bestimmen, die für die Gewinnung qualitätsreichen Malzes nötig ist — „Grünmalz" genannte Produkt
wandert auf die Darre, um hier den Trocken- und Röstprozeß durchzumachen.
Die Dauer des Darrprozesses, der die weitere Keimung des Malzes verhindern soll, richtet sich nach
der Art des zu erzeugenden Bieres. Für lichte Biere wird das Malz heller gehalten und dazu bei niedriger
Temperatur schnell gedarrt, während für schwere, dunkle Biere ein dunkleres Malz durch langsameres Trocknen
Picherei und Böttcherei
bei höherer Temperatur erzielt wird. Durch den Darrprozeß erlangt das Malz auch den spezifischen,
aromatischen Charakter, der je nach der Art und Dauer der Darre verschieden stark auftritt. Das fertig
gedarrte Malz wird sofort nach der Darre mittels Putz- und Entstaubungsanlage staubfrei gemacht und von
den anhaftenden Keimen befreit, da diese bei der Eagerung, infolge ihrer hygroskopischen Neigung, dem
Malz Wasser zuführen würden. Nach der Reinigung wird das Malz, da frisches Malz sich schlecht verbrauen
läßt, für etwa 6 bis 10 Wochen in Silos, die vor feuchter Duft geschützt sind, eingelagert, ehe es zum Ver
brauen gelangt.
Der eigentliche Brauprozeß beginnt damit, daß das bestimmte Quantum Malz nochmals durch eine Putz-
mascliine geleitet und auf einer automatischen, unter steueramtlicher Kontrolle stehenden Wage verwogön wird,
worauf es auf einer sinnreich konstruierten Malzschrotmühle angebrochen, d. h. geschroten wird. Mit Wasser
vermengt entsteht die sog. Maische, die im Sudhause in großen eisernen und kupfernen Behältern bis zu 250 hl
Fassung mittels Dampf gekocht wird. Das Maischekochen, das unter ständigem Rühren mittels der in den
Maischbottichen vorhandenen Rührwerke vor sich geht, führt wiederum bestimmte chemische und physikalische
Veränderungen im Malz herbei, namentlich die Umbildung der Stärke in Zucker (Maltose) und Dextrin, und
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