Full text : Volkswirtschaftspolitik

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Allgemeine  Gütererzengungsgolitik.

zunähme  und  ouf  Begünstigung  der  Einwanderung,  aber  auf
Erschwerung  der  Auswanderung  gerichtet  war.
Die  ersten  Jahrzehnte  des  19.  Jahrhunderts  folgten  —
beeinflußt  durch  die  Malthussche  Übervölkerungslehre  —  entgegengesetzten ­
  Anschauungen.  Sie  befürchteten  ein  Hinauswachsen ­
  der  Volkszahl  über  die  richtige  Grenze  und  suchten
deshalb  durch  das  zweischneidige  Mittel  einer  Erschwerung
der  Eheschließung  und  durch  Begünstigung  des  Abstrvmens
der  überschüssigen  Bevölkerung  nach  außen  (Auswanderung)
den  Zuwachs  einzuengen.  Inzwischen  bat  sich  eine  ruhigere
Beurteilung  der  Dinge  festgesetzt.  Die  Furcht  vor  Übervölkerung ­
  ist  der  Erkenntnis  gewichen,  daß  eine  große  und
im  Aufblühen  begriffene  Volkswirtschaft  auch  einer  stark
wachsenden  Bevölkerung  Arbeit  und  Nahrung  zu  bieten
verinag,  und  daß  die  ständige  Abwanderung  in  die  Fremde
dem  Lande  gerade  solche  Menschen  wegführt,  die  in  der
wirtschaftlichen  Arbeit  gut  verwendbar  sind,  und  ihm  vielfach ­
  die  Fürsorge  für  die  hierzu  nicht  fähigen  Angehörigen
überlaßt,  und  weiter,  daß  nicht  jede  Einwanderung  an  sich
erivünscht  ist.  Das  hat  die  Bevölkerungspolitik  auf  andere
Bahnen  geführt.  Die  Erschwerungen  der  Eheschließungen
sind  im  wesentlichen  beseitigt.  Der  Einwanderung  von  wirtschaftlich ­
  und  sittlich  tiefer  stehenden  Menschen  sucht  man  sich
zu  erwehren  (z.  B.  in  Australien,  in  den  Vereinigten  Staaten ­
  usw.),  und  von  einer  besonderen  Begünstigung  der  Einwanderung
  wird  abgesehen.  Die  Auswanderung  tvird  zwar
nicht  verboten,  aber  auch  nicht  künstlich  gefordert.  Soweit  sie
stattfindet,  sucht  man  zunächst  die  Auswandernden  gegen  Irreführung, ­
  gegen  gesundheitliche  Gefahren  bei  der  Beförderung
und  gegen  Ausbeutung  zu  schützen  (vergl.  das  deutsche  Reichsgesetz ­
  über  das  Auswanderungswesen  voni  9.  Juli  1897).
Weiterhin  aber  bemüht  man  sich,  den  Zusammenhang  zwischen
den  Ausgewanderten  und  deni  Mntterlande  zu  erhalten.
            
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