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Bevölkerungspolitik.
Zum Teil hat die Kolonialpolitik die Aufgabe, gerade
diesem Zwecke zu dienen dadurch, daß sie den Ausgewanderten
die Möglichkeit bietet, sich im Herrschafts- und Machtbereiche
des Stammlandes niederzulassen. Noch wichtiger ist, daß sie
die Gütererzeugungsmöglichkeiten des Stamnüandes durch
Angliederung anderer Gebiete zu ergänzen und zu erweitern
sticht, um mehr Arbeit- und Erwerbsgelegenheit für die Be
völkerung des Stannnlandes zu sichern. Die letztere Aufgabe
der Kolonialpolitik hat auch für die äußere Handelspolitik
eine erhebliche Bedeutung, da sie die wirtschaftliche Abhängig
keit vom Ausland in engeren Grenzen zu halten vermag.
Dieser Gesichtspunkt ist in Deutschland mit Recht mehr rmd
mehr in den Vordergrund getreten. Denn die deutsche Aus
wanderung, die früher sehr umfangreich war und noch 1891
rund 120000 Mensche» oder 2,41 vom-Tausend der Be
völkerung uinfaßt hatte, hat sehr nachgelassen und führte 1908
nur noch 19 889 Metischen außer Landes. Der Auswanderung
steht überdies eine viel größere Einwanderung gegenüber,
die aber zahlenmäßig bisher nur teilweise hat erfaßt werden
können. Von den europäischen Staaten hat Großbritannien
die Koloniqlpolitik am meisten ausgebaut. Sein Stammland
umfaßt 314869 qkm mid 44,6 Millionen Einwohner (1907),
seine Kolonien 29,56 Millionen qkm uitd 348,2 Millionen ■
Einwohner. Frankreich hat int Mutterlande 536464 qkm
»iit 39,25 Millionen Einwohnern (1906), in den Kolonien
5,95 Millionen qkm mit 47,96 Millionen Einwohnern, die
Niederlande im Stammlande 33079 qkm init 5,67 Millionen
Einwohnern (1906), in den Kolonien 2,05 Millionen qkm
»iit 37,85 Millionen Einwohnern, Belgien im Stammlande
29455 qkm mit 7,24 Millionen Einwohnerit (1907), im
Kongostaate 2,38 Millioneit qkm mit rund 19 Millionen Ein
wöhnern. Auch- bei Portugal überragt der Kolonialbesitz
(2,09 Millionen qkm) mit seiner Einwohnerzahl —7,26 Milli»