§ 2. Die Oeldfunktion und die Vorstellung der endlichen Befriedigung. 65
allein manche Schriftsteller die Möglichkeit eines zweckmäßig
funktionierenden Papiergeldes und die Garantie gegen
dessen Entwertung erblicken wollen. Unser Problem lautet
hier: »Genügt diese Möglichkeit wirklich, um in unseren Vorstellungen
das befriedigende Ende allgemein zu garantieren?
Unsere Voraussetzung war ja, daß außer dem
Zeichengeld kein anderes Geld kursierte und daß also alles
Geld aus Papier bestand. Genügt hier wirklich die Möglichkeit
einer Zahlung an die Staatskassen, diese einzige Verwendungsart,
um für alle Scheine die Vorstellung jener Befriedigung
hervorzurufen? Oder macht sich nicht doch immer die
Forderung einer Einlösung im eigentlichen Sinne, einer stofflichen
Befriedigung von wirtschaftlichem Werte geltend« 1 ?
• Vielleicht könnten wir die Beantwortung dieser Frage von
uns abwälzen, indem wir auf ihren »dynamischen« Charakter
hinwiesen, der über das Gebiet der allgemeinen, wirtschaftlichen
Logik hinausdeutet. Denn hier wird offenbar aus einem
qualitativen Moment ein quantitatives, aus dem statischen
Problem ein dynamisches, aus der allgemeinen Aufgabe eine
spezielle. Ist doch nur die Form dieser Frage noch eine »allgemeine«.
In Wirklichkeit handelt es sich schon um die
Messung von Größen, und hier versagt ein logisches Verfahren.
Dennoch ist die Beantwortung der Frage für unseren
Gedankengang unentbehrlich; die Antwort aber kann notwendigerweise
nur ziemlich allgemein ausfallen. Sie lautet:
»Steuerfundation allein reicht nicht aus, um die Vorstellung
des befriedigenden Endes zu garantieren.«
Die Geschichte hat gelehrt, daß trotz der Möglichkeit der
Verwendung des Papiergeldes zu Steuerzahlungen und ähnlichen
Funktionen die Entwertung dieses Zeichengeldes oft
nicht ausgeblieben ist. Die Fundierung des Papiergeldes auf
die Steuerzahlungsmöglichkeit reicht also allein nicht aus,
1 Moll, Weltwirtschaftliches Archiv 1914, S. 100.
Moll, Lo^ik des Geldes.
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