Full text: Der deutsche Zollverein

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II. Oer bayrifch-roürttembergifche Zollverein. 
Das Fiasko von Darmstadt sollte ein ihm ähnliches Nach 
spiel haben. Zunächst zeigte sich die wahre Gesinnung einzelner 
der in Darmstadt beteiligt gewesenen Staaten. Eben die dortige 
Regierung brachte im April 1824 unter dem Titel einer Ver 
brauchssteuer mit Zustimmung der Stände ein lediglich für das 
Großherzogtum zugeschnittenes Zollsystem durch, das die freie Aus 
fuhr aller großherzoglich hessischen Produkte und für die Einfuhr 
außerdeutscher Fabrikproduktc einen verhältnismäßig nicht sehr- 
hohen Tarif festsetzte; dagegen waren Getreide, pülsenfrüchte, 
Mehl, Grütze, deutsche Weine, gemeine Gle iRüböl, Leinöl u. 
dergl.), Bier, <Vbst, Most, Rieh u. s. w., also alles Produkte der 
Nachbarstaaten, mit sehr hohen Zöllen belegt. Welchen Sinn 
eine derartige Nlaßregel haben sollte, ist schwer zu erkennen, denn 
sie führte zu Zank mit den angrenzenden Staaten, ohne daß dabei 
irgend welcher Borteil heraussprang. Zn etwas anderer Weise 
hatte Baden im August 1823 und im März I82-f den Handel 
mit Leinen- und Baumwollenwaren zu höheren Zöllen heran 
gezogen und dadurch gleichermaßen sich in Differenzen mit angren 
zenden Staaten gesetzt. Dagegen war es sonst gegen ausländische 
Zndustriewaren sehr niilde gesonnen. Eine badische Industrie war 
ja damals nicht zu zerstören, und wenn man die Einfuhrzölle für 
ausländische Manufakturen so niedrig als irgend mit der Rück 
sicht auf die übrige öffentliche Meinung in Deutschland vereinbar 
war, herabsetzte, so konnte man unternehmenden Bürgern des ba-
	        
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