kindlich gemacht, Rurhessen zu gewinnen. Da gab er sichs freilich
bald als eine aussichtslose Hoffnung. Denn in Rassel war auf
den tyrannischen Geizhals Wilhelm I., der in den pungerjahren
1816 und 1817 sein eigenes Volk in schamlosester Weise be
wucherte, im Jahre 1821 sein nicht besserer Sohn Wilhelm II.
gefolgt, der mit einer Schwester Friedrich Wilhelms III. verheiratet
war. Aber ein gewöhnliches Frauenzimmer, die Berlinerin Emilie
Ortlöpp, die er zu einer Gräfin Reichenbach erhoben hatte, be
herrschte ihn vollständig, und da einerseits der Rurfürst am Raiser-
hose ihre Erhebung in den Fürstenstand betrieb, anderseits sich
Rönig Friedrich Wilhelm seiner Schwester annahm, so herrschte
am Rasseler Pose bitterer paß gegen Preußen, der sich lächer
licher Weise auch aus die wirtschaftlichen Beziehungen übertrug.
Zeitweilig verbot der Rasseler Despot die Einfuhr und Durchfuhr
preußischer Waren ganz. Da also aus den Beitritt Rurhessens
nicht zu rechnen war, so ließ man die ganze Frage zunächst fallen.
Ein halbes Jahr später, im Februar 1826 fragte man aus
Darmstadt wiederum an. Alan wird sich entsinnen, daß kurz
zuvor die Stuttgarter Verhandlungen über einen süddeutschen
pandelsverein gescheitert waren. Da aber die Großherzogliche
Regierung noch nicht gewillt schien, das indirekte Steuerwesen
Preußens anzunehmen, so wurde auch diesmal noch nichts daraus.
Mittlerweile hatte das Großherzogtum durch seine zum Teil
überstrengen prohibitionistischen Zollgesetze sich in einen unnötigen
Zollkrieg gegen seine Nachbarn gestürzt, der den Finanzen des Landes
doppelt schädlich war, einmal weil der Verkehr dadurch unter
bunden wurde, und dann weil die Grenzbewachung sich sehr kost
spielig zeigte. Da die Aus- und Durchfuhr des Landes sich im
wesentlichen nach dem Norden richtete, so versuchte der Nkinister
du Thil im April und im Juli 1827 wieder mit Preußen an
zuknüpfen. Doch verhielt man sich in Berlin noch äußerst reserviert.
Erst im August trat man der Sache näher, als du Thil bei
Maltzahn anfragte, ob inan — mit Rücksicht aus (Österreich und
den im Entstehen begriffenen württemberg-bayrischen Zollverein —
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