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faselt hatte, verstummte nicht nur, sondern verwandelte sich in offene
Anerkennung. Auch sorgten nun die beiden Verbündeten für die
Hebung des Verkehrs durch den Bau einer großen Straße von
Paderborn über Brilon und Biedenkopf nach Gießen, die dann
an die nach Süden, nach dem Starkenburgischen Lande führenden
Straßen Anschluß hatte, so daß die Ostsee mit dem Rhein-Neckar
gebiete durch einen fast zollfreien Straßenzug in Verbindung trat.
Nach Norden zu schloß die Straße nämlich an die große Kunst-
straße Berlin-Köln an, die König Friedrich Wilhelm damals schon
hatte erbauen lassen und die mit Umgehung des Kurhessischen Ge
bietes über pöxter nach Paderborn führte.
Das Aufsehen, das dieser Vertrag erregte, bewies, daß inan
feine politische Bedeutung wohl erkannte. Von der Erregung
König Ludwigs I. von Bayern war schon die Rede. Am Bundes
tage aber versicherten der österreichische Gesandte von Münch-
Bellinghausen und der österreichische Militärbevollmächtigte General
von Langenau, jetzt endlich sei Preußens maßlose Herrschsucht
entlarvt. Metternich meinte zwar auf die offizielle Mitteilung, die
ihm in Form einer Denkschrift von Preußen geinacht wurde, es
feien solche Verträge nicht zu hindern, da sie eine Konsequenz der
Souveränität seien, aber er könne nicht verhehlen, daß, sobald der
gleichen Verbindungen aufhörten, bloß aus dem administrativen
Gesichtspunkt betrachtet zu werden und ihnen eine politische Tendenz
zugrunde gelegt würde, die Grundgesetze des Bundes ihnen entgegen
stünden. In große Sorge wurden ferner die mitteldeutschen pöfe,
namentlich die herzoglich sächsischen Lande und das Königreich Sachsen
versetzt, welch letzteres alsbald einen Schritt tat, um in die werdenden
Beziehungen Preußens zu Süddeutschland einen Keil zu treiben.
Auf der Rückreise von Berlin hatte pofmann auch Kassel
berührt und dort den Kurfürsten auf einen etwaigen Anschluß an
die soeben getroffenen Abmachungen sondiert. Denn da, wie erwähnt,
der hessische Großherzog sich mit Preußen eigentlich nurin der Hoffnung
vereinbart hatte, daß auch Kurhessen beiträte, so sollte auch mit der
Publikation des Vertrages bis zum Mai gewartet werden, damit