Full text : Der deutsche Zollverein

Unruhen  waren  zwar  im  Vergleich  mit  den  pariser  und  Brüsseler
Vorgängen  sehr  harmlos  zu  nennen,  führten  aber  doch  zu  einem
Systemwechsel.  21m  15.  September  1830  wurde  der  Buntster  von
Einsiedel  entlassen,  an  dessen  Stelle  der  einsichtige  und  weiter  denkende
Bernhard  von  Lindenau  trat,  und  der  altersschwache  Bönig  21nto»
nahm  seinen  freiheitlicher  gesinnten  Neffen  Friedrich  August  zum  Butregenten
  an.  Die  weitere  Folge  war  dann  die  am  Sept.  1831
publizierte  Verfassung.  Freilich  hielt  man  in  Dresden  noch  weithin
an  der  2Ueinung  fest,  man  könne  bei  den  nun  immer  unausweichlicher ­
  werdenden  Verhandlungen  mit  Preußen  den  mitteldeutschen ­
  Verein  in  die  Wagschale  werfen.  Gleichwohl  schrieb
Bönig  Anton  am  29.  Dezember  1830  einen  Brief  an  den  Bönig
Friedrich  Wilhelm,  daß  er  schon  längst  die  2lbsicht  gehabt,  mit
Preußen  in  kommerzielle  Verbindung  zu  treten  „und  somit  im
Sinne  des  hochwichtigen  und  wohltätigen  Zweckes  zu  handeln,
dessen  Erreichung  von  Ew.  2Uajestät  bereits  seit  längerer  Zeit
beabsichtigt  wird."  Lindenau,  der  dies  Schreiben  nach  Berlin
brachte,  überreichte  zugleich  eine  Denkschrift,  worin  Sachsen  den
Entschluß  aussprach,  die  Auflösung  des  mitteldeutschen  Vereins
durchzusetzen.  Der  Bönig  von  Preußen  antwortete  den:  sächsischen
Bönige  schon  am  24.  Januar  1831  sehr  entgegenkommend.
Gleiches  geschah  dem  Weimarischen  Pose,  der  schon  am  25.  Zuli
1830  sich  nach  Berlin  gewandt  hatte,  durch  ein  Schreiben  Eichhorns
vom  22.  Oktober  1830.
Nun  wäre  ja  wohl  der  Boden  für  das  gegenseitige  Einverständnis ­
  geebnet  gewesen,  wenn  sich  nicht  Schwierigkeiten  anderer
2lrt  ergeben  hätten.  Blaaßen,  der  an  Stelle  des  am  30.  Zuni
1830  verstorbenen  Blotz  das  preußische  Finanzministerium  übernommen ­
  hatte,  war  umsoweniger  der  Meinung,  Sachsen  so
leichten  Bauses  zuzulassen,  als  die  preußischen  Baumwollenfabrikanten ­
  bei  ihm  gegen  die  sächsische  Bonkurrenz  vorstellig
wurden:  Blaaßen  hatte  also  zum  mindesten  für  diese  2lrt  von
Waren  höhere  Eingangszölle  im  Sinne.  Die  andere  Schwierigkeit
ergab  sich  wegen  der  2Neffen  zu  Frankfurt  a.  (D.  und  Naumburg
            
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