Full text : Der deutsche Zollverein

biete  von  der  Malzsteuer  5  Mill.  Gulden  oder  21  Sgr.  pro  Aopf,
aus  welchem  Ertrage  nach  der  Verfassung  die  Staatsschuld  verzinst
werden  mußte.  Da  Preußen  seine  Biersteuer  unmöglich  so  hoch
schrauben  konnte,  um  gleiche  Erträge  zu  erzielen,  so  verlangte  es
von  Bayern  Ausgleichungsabgaben,  was  von  diesem  mit  Recht
als  unbillig  und  aus  den  eben  angegebenen  Grunde  auch  als  gegen
die  Verfassung  verstoßend  angesehen  wurde.  Anderseits  verlangten
die  Südstaaten  eine  Amgestaltung  des  Tarifs  in  freihändlerischem
Sinne  —  später  sollte  es  ganz  anders  kommen  —  namentlich  für
Baumwollenwaren,  die  gerade  die  preußischen  Interessenten  verteuert ­
  zu  sehen  wünschten.  Vor  allem  aber  wünschten  sie  sich  für
auswärtige  Handelsverträge  im  Besitze  des  gleichen  Stimmrechts  mit
Preußen  zusehen;  z.  B.  gelegentlich  des  Abschlusses  von  Schiffahrtsverträgen ­
  verlangte  der  Vertreter  Württembergs,  Moritz  Mohl,
daß  auch  sein  Staat  gehört  würde.
Infolgedessen  brach  man  die  Verhandlungen  im  Mai  1832
ab,  und  das  Jahr  verlief  in  ziemlicher  gegenseitiger  Verstimmung.
Nur  wurden  dadurch  die  süddeutschen  Verhältnisse  nicht  besser,
und  auch  zwischen  Württemberg  und  Bayern  gab  es  Mißhelligkeiten. ­
  Da  war  es  das  Verdienst  König  Ludwigs,  den  richtigen
Ausweg  zur  rechten  Zeit  zu  treffen.  Er  ließ  an  den  württembergischen
Vertreter  in  München,  den  Herrn  von  Schmitz-Grollenburg,  der
im  Übrigen  sein  volles  Vertrauen  genoß,  eine  Note  des  Inhalts
schreiben,  daß  der  süddeutsche  Verein  doch  tatsächlich  ausgelöst  und
darum  die  Wiederaufnahme  der  Verhandlungen  mit  Preußen  unvermeidlich ­
  sei.  Daraufhin  wurde  als  gemeinsamer  Bevollmächtigter, ­
  einer  kürzlich  von  Preußen  ergangenen  Mahnung  entsprechend, ­
  ein  mit  den  Verhältnissen  vertrauter  hoher  Beamter  —
das  letzte  Mal  waren  es  zwei  Assessoren  gewesen  —  nach  Berlin
geschickt.  Es  war  der  bayrische  Finanzminister  von  Mieg,  ein
Jugendfreund  des  Königs  Ludwig  und  ein  hochgebildeter  Mann
von  bedeutender  Arbeitskraft.  Auf  der  Reise  nach  Berlin  berührte
er  Dresden,  um  sich  mit  den  dortigen  Finanzmännern  zu  verständigen ­
  und  traf  am  6.  Februar  1833  in  Berlin  ein.  Die  Verhand-
            
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