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Vornehme: Kaufleute, . die . Bürgermeister ‚waren und hohe Ehren-
stellen bekleideten, scheuten sich nicht, wenn es ihren Geldbeutel
betraf, den Staat zu: betrügen; die Beamten waren davon unter-
richtet, wagten: aber nicht dagegen einzuschreiten"). Während
das Volk mit schweren, 'kaum erträglichen Steuern belastet wurde,
drückten „sich. reiche, angesehene Kaufleute um die Zahlung ge-
setzlich : vorgeschriebener Abgaben. Es war kein Wunder, wenn
es gelegentlich zu Volksunruhen kam, so 16905, weil man die hohen
Kriegssteuern nicht mehr zahlen wollte.. In dem kleinen Orte Go-
rinchem brachen 1734 Unruhen aus, weil die Stadtverwaltung einen
höheren Betrag als Grundsteuer erhob, als ihr gesetzmäßig zustand;
erst viele Jahre später schlichtete. der Statthalter Wilhe 1m; IV.
diesen Zwist?).
In der Mitte des Jahrhunderts brachten die ‚gemeinen Mit-
tel‘ 7—8, Convoyen und Lizenten 2, Grundsteuer 2% Mill. fl. ein.
Durch Sondersteuern wurde insgesamt ein Staatseinkommen von
20 —+25: Mill. Al. erzeicht?):
Trotz aller dieser Lasten gab es Zeiten, wo.sich die Niederlande
in. großer. Geldnot: befanden und neue Mittel schwer aufzubringen
waren‘)... Schlecht. stand es offenbar Anfang der 1660er Jahre;
man hätte sonst. wohl Dünkirchen nicht an Frankreich fallen lassen
und sich bemüht, es für Geld zu erwerben®). Wie eng man in bösen
Zeiten: das Steuerinteresse mit der Zugehörigkeit zur Union ver-
knüpfte, sieht man ‚daraus, daß 1673 ernsthaft erwogen wurde,
ob man die drei von den Franzosen längere Zeit besetzten Provinzen
Utrecht, Gelderland, Overyssel jetzt nach ihrer Befreiung nicht
außerhalb der Union stellen sollte, bis ‚sie imstande seien, ihre
1) Stukken v. d. Geschiedenis (Hilten) II, 72 ff., 80 ff. (1630 f.); II, ı0 ff.
(1628 ff.).
2) Ble’yswijk,‘ Memorien, S. 90° Anm.
3) Vgl. Ballhausen, S. 136, wo die näheren Quellenangaben sich
finden. Davenant schätzte Ende des 17. Jahrhunderts die Gesamteinnahme
der Niederlande aus dem Land, Handel und Industrie auf 181/, Mill. £ (Works,
1, 248),
‘) Ende 1628 betrugen die Rückstände der Republik fast 3 Mill. fl. (Blok,
ebenda, IV, 298). Dem Prinzen Friedrich Heinrich liehen die Amster-
damer Bankiers, unter ihnen Bartolotti-van den Heuvel, nicht
weniger als 2; Mill. fl. zu 4% (Elias, Vroedschap, S. 388).
5) Sovander Goes, S. 152.
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