Full text : Der deutsche Zollverein

VI.  Die  Krisen  des  3ollnereins.  Zeine  Neugestaltung  1867.
Übergang  in  das  Deutsche  Reich.
So  kur;  die  Dauer  des  allgemeinen  deutschen  Zollvereins  gewesen ­
  war,  so  war  doch  seine  Einwirkung  auf  die  Entwickelung
der  deutschen  Industrie  eine  gan;  bedeutende  geworden.  Man  kann
dies  in  den  Satz  kleiden:  der  vorherige  Zustand  wirtschaftlicher
Zerrissenheit  ließ  bei  mangelndem  Verkehr  und  Absatzgebiet  höchstens
in  den  größeren  Staaten  eine  Partikularindustrie  emporkommen,
der  Zollverein  zog  binnen  kurzem  eine  nationale  Industrie  groß,
die  sich  ihres  nationalen  Lharakters  wohl  bewußt  war.  Das  auf
diese  Weise  erstarkende  Nationalgefühl  wurde  um  so  empfindlicher
berührt,  wenn  das  Ausland  mit  seinen  Waren  der  heimischen
Produktion  gefährlich  zu  werden  begann.  In  viel  leidenschaftlicherer ­
  Weise,  als  dies  heute  infolge  abgeklärterer  und  nüchternerer
Auffassung  geschieht,  bemächtigte  sich  damals  die  öffentliche
Meinung  dieses  Gegenstandes  und  verlangte  vom  nationalen
Standpunkte  aus  Schutzzoll.
Als  erster  Rufer  im  Streit  trat  hier  der  uns  aus  den  Anfängen ­
  des  deutschen  Zollwesens  schon  bekannte  Friedr.  £  i  st  auf,
der,  nach  längerem  Aufenthalte  in  Amerika  nach  Deutschland
zurückgekehrt,  die  beiden  ersten  großen  Eisenbahnstrecken  ^Leipzig-Dresden
  und  £eipzig-Magdeburg  ins  £eben  gerufen  und  damit  in
dieser  wichtigen  Wirtschaftsfrage  im  wahren  Sinne  des  Wortes
bahnbrechend  gewirkt  hatte.  Nun  trat  er  1841  mit  seinem  Buch
„Das  nationale  System  der  politischen  (Ökonomie"  auf  den  Plan

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