Full text: Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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erscheint. Denn die Oelhorizonte liegen nicht so tief wie in Russ 
land und Amerika oder gar in Galizien, wo die Anwendung von 
Maschinenkraft eine conditio sine qua non ist und sich demgemäss 
die Fördertätigkeit sehr viel teurer stellt. Vielmehr kann man in 
Rumänien das Oel sehr wohl noch mittels Handbrunnen (die auch 
schon bis zu 220 m Teufe gehen) unter viel geringeren Kosten 
schöpfen. Gerade Gesellschaften wie die Arnheemsche Petroleum- 
Maatsch., die Olandeza Romäna und andere, besonders hollän 
dische Gesellschaften, die zwecks intensiverer Bearbeitung der 
von ihnen erpachteten Terrains kostspielige Maschinenschächte 
angelegt hatten, haben schlechte Erfahrungen damit gemacht. 
Deshalb sind auch die Deutsche Bank wie die Diskonto-Gesell 
schaft, obgleich sie das Petroleumgeschäft mit aller Energie auf- 
nahmen, in richtiger Erkenntnis der vorliegenden Verhältnisse beim 
Handbrunnenbetriebe geblieben. Immerhin waren bis vor wenigen 
Jahren die meist von kapitalschwachen Unternehmern unter Lei 
tung einheimischer Ingenieure abgeteuften Handschächte in der 
überwiegenden Mehrzahl planlos und unzweckmässig angelegt, 
und die junge Industrie konnte es deshalb lange zu keinem rech 
ten Aufschwung bringen. 
Hieran konnten auch die schon früh (besonders stark 1893) 
einsetzenden Einigungsbestrebungen nichts ändern. Die Dinge 
gerieten erst in Fluss, als die pennsylvanischen Quellen spärlicher 
zu fliessen begannen, als sich infolgedessen die Standard Oil 
Company, von einer empfindlichen Schwächung ihres Lebensnervs 
bedroht, nach neuen Produktionsgebieten umsehen musste und als 
ungefähr gleichzeitig auch deutsches Kapital sich der rumänischen 
Ihrdölindustrie zuwandte. 
Die Bestrebungen der Standard Oil Company, in Rumänien 
festen Fuss zu fassen, nahmen im Jahre 1900 festere Formen an 
mit dem Versuch, die Ausbeutung und den Betrieb der gesamten 
staatlichen Petroleumgruben durch Pachtung auf längere Zeit zu 
übernehmen. Der Zeitpunkt des Einreichens der Offerte war inso- 
fern gut gewählt, als Rumänien gerade damals eine finanzielle 
Krise durchzumachen hatte und die Regierung nach Mitteln suchte, 
das im Verhältnis zu den Einnahmen enorm angewachsene jähr 
liche Defizit zu verringern. Naturgemäss wandte sich die Auf 
merksamkeit den reichen Bodenschätzen des Landes zu, und es 
wurden Stimmen laut, die denVerkauf oder die Verpachtung der 
staatlichen Petroleumterrains anrieten und durch die Eröffnung 
Zeitschrift für die ges. Staatstvissensch. Ergänzungsheft 20. 3
	        
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