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gefühl bestehen läßt, so bedeutet der Gewinn in diesem Sinne
nur eine durchaus äußerliche Unterscheidung. Denn auch bei
der Versicherung ist es wesentlich, „daß bei ihr Mittel (Prämie)
und Erfolg (Versicherungsleistung) bedeutend differieren." 108 )
Daß aber die Ungewißheit für den Versicherten Sicherheit, für
den Spieler Unsicherheit zur Folge hat, ist von untergeordneter
Bedeutung, da auch der Spieler gerade die Unsicherheit ange
nehm empfinden kann. Spiel und Versicherung enthalten beide
das Charakteristische der aleatorischen Geschäfte: „Das kleine
Hingeben, um möglicherweise Großes zu erlangen." „Die Vor
teile dürfen mit den Opfern nur insofern in einem Verhältnisse
stehen, als mit der Ungewißheit auch ihre Größe steht und
fällt." Aber der Unterschied ergibt sich aus dem Wesen dieser
Vorgänge von selbst.
2. Alexander (£ I ft e r uo ) hat das Wesen des Spiels nun
mehr in einwandfreier Weise durch den Gegensatz zur Arbeit
gekennzeichnet. Wenn man als Arbeit das bezeichnen könne,
was zum ernsten Wirtschaftskampfe gehört, so treffe die Nega
tive hiervon das Wesen des Spiels. „Spiel nennen wir alles,
was der ernsten Wirtschaftstätigkeit, des Wirtschafts- und
Lebensernstes entbehrt, aber dabei doch die ernste Wirtschafts
tätigkeit gewissermaßen nachahmt . . . Entartend wird die
Verschiebung von Mein und Dein wilMrlich mit den Zufällig
keiten des Spiels nach selbstgesetzten Regeln verknüpft. Hier
wird nun vom Lebens- und Wirtschaftsernst, von dem soliden
Gang der Konjunktur, die sich durch die Arbeit darstellt, ab
gesehen, Vermögensübergänge werden von selbstgeschaffenen,
imaginären Kausalitäten abhängig gemacht ... So gehört
das Spielen noch in das soziale Leben, weil es Bedürfnisse des
Einzelnen zu befriedigen imstande ist, und zwar aus der Grund
lage der sozialen Ordnung. Dies jedoch in Wahrheit nur schein
bar. Denn wo die Arbeit auf gerechtem Wege die Mittel zur
Wörner a. a. O. S. 22.
109 ) Lerrmann a. a. O. S. 17.
no ) Artikel Spiel" im Landwörterbuch der Staatswissensch. (1911)
S. 675 ff.