Full text: Kapitalismus und Sozialismus

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sich, daß die Produktion von Massenartikeln viel rascher wächst als die von 
Luxuswaren, und dadurch kommt es fortwährend zur Ueberproduktion, und 
die kapitalistische Welt weiß dann nicht, wohin mit dem billigen Zeug." 
„Aber bleibt da nicht noch immer ein Ausweg?" fragte Wilhelm 
zögernd. „Kann man nicht die Massenartikel ins Ausland exportieren und 
dafür Luxuswaren eintauschen?" 
„Das wollen aber doch alle Völker zugleich," wandte Karl ein; „das 
kann doch nicht gehen." 
„Was Wilhelm da sagt, ist gar nicht so uneben," erwiderte ich. „Frei 
lich, Industrieländer können nicht so miteinander tauschen, daß jedes die 
Massenartikel hergibt und dafür Luxuswaren bezieht. Wohl aber ging das 
lange Zeit mit den wirtschaftlich rückständigen Völkern und geht auch heute 
• noch zum Teil so. So führt Deutschland zum Beispiel große Mengen billiger 
Baumwollwaren nach China und Afrika aus und erhält dafür von dort 
Seide, Gold, Elfenbein und andere Luxusartikel für den Bedarf der 
Reichen. Früher wurde der ganze Handel nach den Ländern des fernen 
Osten, nach Indien, China, Japan, nach den Südsecinseln u. s. W. in dieser 
Weise geführt. Aber seit die Riesendampfer den Verkehr vermitteln und 
jene fernen Länder sich nun auch für den Export im großen eingerichtet 
haben, sind eine Reihe von Artikeln, die früher nur für die Reichen da 
waren, auch in den Verbrauch der ärmeren Leute übergegangen, wie 
Kaffee, Tee, Kakao, Pfeffer, Bananen u. s. to. Ferner aber werden jetzt 
eine Unmenge Rohprodukte für unsere Industrie aus jenen Gegenden oder 
aus Afrika geholt, wie zum Beispiel Baumwolle, Kautschuk, Kokosnüsse, aus 
denen Pflanzenfett gewonnen wird, und viele andere. Endlich aber fangen 
einige von diesen Ländern jetzt sogar schon an, selbst Jndustrieartikel für 
den Masfenexport zu fabrizieren. Daher wird diese Möglichkeit für das 
Kapital, Massenartikel im Ausland gegen Luxuswaren einzuhandeln, 
immer geringer." 
„Ja, das ist schon wahr," meinte Wilhelm. „Mit Luxusartikeln 
allein könnte man unsere Riesendampfer auf ihrer Heimreise von ben 
überseeischen Ländern nicht befrachten. Uebrigens würde doch unsere In 
dustrie zugrunde gehen ohne die fremden Rohstoffe. Wenn ich nur zum 
Beispiel meinen Anzug anschaue, muß ich das schon einsehen. Mein Hemd 
ist aus Baumwolle gemacht, und die kommt aus Aegypten, Indien und 
Amerika. Das Tuch zu meinem Rock ist vielleicht aus australischer Schaf 
wolle gewebt; das Leder zu meinen Stiefeln stammt vielleicht aus Indien. 
Eigentlich muß man staunen, daß diese Länder noch immer so viel Roh 
stoffe liefern können. Unsere Industrie dehnt sich doch riesig rasch aus; 
ich weiß gar nicht, wie diese zurückgebliebenen Länder mit ihrer Land 
wirtschaft nachkommen können. Wird denn die ebenso rasch verbessert wie 
bei uns die Industrie?" 
„Durchaus nicht," erwiderte ich. „In Aegypten zum Beispiel pflügen 
heute die Bauern nicht viel besser als ihre Vorfahren vor 2000 Jahren; 
in Indien ist es kaum anders. Aber der alte Ackerbau für den Bedarf 
der Eingeborenen wird in diesen Ländern stark zurückgedrängt, und dafür 
werden immer weitere Gebiete mit Baumwollstauden, mit Kaffeebäumen, 
Teesträuchern u. s. w. bebaut. Die fortwährenden entsetzlichen Hungers 
nöte in Indien sind zum großen Teil dadurch bewirkt." 
„Aber das muß doch seine Grenzen haben," fiel Karl ein. „Man 
kann doch den Bauern ihr Land nicht ganz wegnehmen, sie müssen doch
	        
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