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Vor Jahren kriegte ich einmal eines deiner Schullesebücher in die
Hand. Ich wollte doch sehen, was die Kinder heute in der Schule lernen, um
sich fürs Leben vorzubereiten. Da fiel mein Blick auf ein Lesestück das den
schönen Titel führte: „Das Handwerk hat einen goldenen Boden." Dort
war erzählt, daß man nur Fleiß und Ausdauer brauche, um als Hand
werker ein reicher Mann zu werden. Ich las das Stück nicht aus. Wütend
warf ich das Buch fort, das solche Lügen enthielt und den Gehirnen der
Jugend eintrichtern wollte. Und das soll die viel gepriesene Volks
bildung sein?"
Der Vater hatte sich immer mehr in leidenschaftlichen Zorn hinein
geredet. Die Bilder aus seiner Kindheit und Jugend waren ihm wieder
lebendig geworden.
„Wenn ich heute noch," sagte er endlich, „mich der Fratze des edlen
Wohltäters Becker erinnere oder jener Häuser, in die wir unsere schöne
Arbeit steckten, die dann ein anderer ohne Entgelt genoß, dann überkommt
mich noch die Wut. Aber schließlich weiß ich ja doch, daß es nicht nur mir
allein so ging, daß das nur Einzelfälle sind aus dem großen Schuldbuch
des Kapitals, das überall seinen Weg genommen hat über Blut und Leichen."
Der Lohn geistiger Arbeit.
„Das sehe ich nun allerdings ein," meinte Wilhelm, der Karls Er
zählung voll Aufmerksamkeit zugehört hatte; „mein Großvater und dein
Vater haben in ihrer Jugend eine ganz andere Welt gesehen als wir; aber
aus zwei einzelnen Schicksalen dürfen wir doch nicht gleich so weitreichende
Schlüsse ziehen. Vielleicht ist es nur ein Zufall, daß gerade unsere Väter
unter so ganz anderen Verhältnissen aufgewachsen sind als wir."
„Wie kannst du nur so etwas sagen!" entgegnete Karl. „Gibt es denn
heute überhaupt noch leibeigene Bauern, und sehen wir nicht überall, daß
das Kleingewerbe von den Fabriken verschlungen wird?"
.„Na, ganz so gefährlich kann es doch nicht sein; denn es gibt heute
noch immer eine Menge Handwerker, und wenn es vielen von ihnen auch
nicht besonders gut geht, sie leben und bestehen doch noch immer. Mit den
Bauern muß ich dir freilich recht geben. Leibeigen sind sie nicht mehr; aber
geht es ihnen deshalb jetzt um so viel besser? Immerfort liest man in der
Zeitung von der »Slot der Landwirtschaft«."
„Db es heute besser oder schlechter ist als früher, das weiß ich nicht,"
meinte nun Karl; „jedenfalls sieht die Welt heute ganz anders aus als da
mals. Uebrigens ist uns ja Gustav noch die Geschichte seines Vaters schuldig.
Zuerst wollen wir die noch hören."
Damit wandten sich meine jungen Freunde an mich und ich erzählte
ihnen:
„Mein Vater ist schon mehrere Jahre tot; aber ich kann euch seine
Geschichte ganz gut erzählen, denn ich habe sie zum Teil miterlebt unfc daS
übrige oft von ihm und Mutter erzählen gehört.
Er entstammte recht bescheidenen Verhältnissen. Mein Großvater war
Dorfschullehrer gewesen und es hatte ihm sehr große Schwierigkeiten und
Opfer bereitet, den Sohn studieren zu lassen; denn der sollte es einmal
in der Welt zu etwas bringen. Schon im Gymnasium lernte mein Vater
den Ernst des Lebens kennen. Von zu Hause bekam er nicht viel; was er
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