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Arbeit in stickigem, lärmerfülltem Raum für kärglichen Lohn und oft in
fortwährender Lebensgefahr. Wenn wir also den Ursprug des Kapitalismus
finden wollen, dann müssen wir nicht nur nach der Entstehung der großen
Vermögen suchen, sondern vor allem auch nach dem Aufkommen des Massen
elends freier Arbeiter.
Nun hat es ja freie Arbeiter auch im Mittelalter schon gegeben. Die
Handwerker in den Städten und ihre Gehilfen waren frei; aber sie waren
keine besitzlosen Proletarier. Die Meister selbst hatten sehr oft das Haus,
in dem sie wohnten und arbeiteten, samt Hof und Garten und häufig auch
noch ein Stück Feld Zu eigen, und es vererbte sich in der Familie. Die Ge
sellen waren zum großen Teil Söhne von Meistern und hatten Aussicht,
selbst Meister zu werden. Dabei war das Handwerk in Zünften organisiert,
die dem einzelnen Meister und Gesellen einen Rückhalt boten. Meist wurde
für die Kundschaft am Orte gearbeitet, häufig auf Bestellung. In kleineren
Orten haben sich ähnliche Verhältnisse bis in die neueste Zeit hinein er
halten. Karls Großvater war ja auch noch ein Tischlermeister dieser alten,
guten Art. Die arbeiteten für eigene Rechnung und lieferten direkt an die
Kunden. Da war für den Kapitalisten nichts zu holen.
Auf dem Lande aber gab es keine freie Arbeiterschaft. Der Bauer war
leibeigen, das heißt, er mußte auf dem Landgut bleiben und Landwirtsä-att
treiben, er mußte dem Herrn, den er nicht verlassen oder wechseln durste,
persönliche Dienste leisten und Abgaben entrichten. Die Geschichte von
Wilhelms Großvater hat uns ja gezeigt, wie es da zuging. Da war also
wieder für das Kapital nichts zu machen; denn wenn der Bauer auch oft
arm war, so daß er sich gern um Lohn verdungen hätte, er war an die
Scholle gebunden und mußte der Landwirtschaft treu bleiben.
Diese Verhältnisse mußten daher erst geändert werden, bevor das
Kapital seine Herrschaft antreten konnte. Das geschah in verschiedenen Län
dern in verschiedener Weise. In England zum Beispiel vertrieben schon im
Iß. Jahrhundert häufig die großen Grundbesitzer die Bauern mit Gewalt
oder durch Rechtsverdreherei von ihrem Gut; denn es war für sie damals
lohnender geworden, Schafe zu halten und ihre Wolle teuer zu verkaufen,
als von den Bauern Abgaben in Getreide zu erpressen.
In Preußen wieder ging es gerade umgekehrt zu. Hier wollten die
großen Grundherren möglichst viel Getreide verkaufen, und dazu genügte
ihnen das bißchen nicht, das ihnen der Bauer von seiner schlechten Wirt
schaft abgeben konnte. Da war es lohnender, das Land der Bauern,
wenigstens gitm größten Teil, einzuziehen und diesen die bisherigen Ver
pflichtungen zu erlassen. Von dem Stückchen Grun^>, das dem Bauern blieb,
konnte er ja nicht leben, und so war er gezwungen, beim Gutsherrn um
billigsten Lohn zu arbeiten, und dieser hatte dabei noch den Vorteil, daß er
im Winter nicht alle Arbeitskräfte verpflegen mußte, die er im Sommer
brauchte. So kam es zur „Bauernbefreiung".
„Aha," unterbrach mich hier Wilhelm, „jetzt verstehe ich, wieso es zur
zwangsweisen „Befreiung" der Eltern meines Großvaters kam. Da ist es
begreiflich, daß sich die Bauern sträubten, so gut sie konnten. Aber laß dich
nicht stören, erzähle nur weiter." So fuhr ich dann fort:
„Ob nun aber die Sache so wie in England vor sich ging, wo Aecker
in Schaftriften verwandelt wurden, oder so wie in Preußen, wo der uner
giebige bäuerliche Landbau durch die viel lohnendere gutsherrliche Betriebs
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