Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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Profit  einzustreichen.  Wenn  man  aber  studieren  will,  wohin  unser  Weg
geht,  wohin  unsere  Wirtschaft  steuert,  dann  muß  man  aus  die  Gesetze
zurückgehen,  die  unsere  Wirtschaft  beherrschen.  Dem  Kapitalisten  ist  es
nur  um  das  Nächstliegende  zu  tun,  um  seinen  Happen  vom  Gewinn  seiner
Klasse.  Wir  haben  vorhin  bei  Betrachtung  der  Maschinen  gesehen,  daß
sich  die  Kapitalisten  um  den  gesamten  Profit  raufen  und  jeder  soviel  an
fick,  reißt,  als  es  seine  Kräfte,  das  heißt  vor  allem  sein  Kapital  erlauben.
Hier  sehen  wir  nur  dasselbe.  So  kommt  es,  daß  der  Profit  im  Derhaltms
steht  zum  angewandten  Kapital,  auch  wenn  dadurch  manche  Waren  über,
manche  unter  ihrem  Wert  verkauft  werden."
II.
„Wenn  das  aber  so  ist,"  begann  Wilhelin  nach  einigem  Nachdenken,
„wenn  die  Kapitalisten  miteinander  um  den  Anteil  raufen,  den  jeder
von  ihnen  an  der  Gesamtbeute  haben  will,  wenn  die  einen  Waren  über,
die  änderen  unter  ihrem  Werte  verkauft  werden,  dann  stimmt  das  Wertgesetz ­
  ja  doch  wieder  nicht.  Du  hast  uns  auseinandergesetzt,  daß  der
Wert  einer  Ware  Lurch  die  Arbeitszeit  bestimmt  ist,  die  gesellschaftlich  zu
ihrer  Herstellung  notwendig  ist.  Dann  haben  wir  gesehen,  daß  der  Arbeiter
nur  einen  Teil  des  von  ihm  neu  geschaffenen  Wertes  selbst  wiedererhält, ­
  daß  der  Rest  dem  Kapitalisten  als  Gewinn  verbleibt.  Dadurch
ist  aber  doch  dieser  Gewinn  ganz  genau  bestimmt,  da  gibt  es  doch  weiter
keine  Rauferei.  Nehmen  wir  an,  in  einer  Schuhfabrik  arbeiten  100  Arbeiter, ­
  von  denen  jeder  täglich  5  Mk.  Lohn  erhält.  Dabei  setzen  diese
100  Arbeiter  dem  Leder  durch  ihre  Arbeit  täglich  einen  Wert  von  1000  Mk.
zu.  Dann  verbleiben  dem  Kapitalisten  einfach  500  Mk.  Wird  ihm  ein
Teil  davon  von  jemand  anderen,  weggenommeik,  dann  stimmt  eben  deine
Rechnung  nicht.  Und  welchen  Sinn  soll  es  denn  überhaupt  haben,  datz
die  Waren  einen  Wert  haben,  aber  zu  einem  Preis  verkauft  werden,  der
ihrem  Wert  gar  nicht  entspricht?"
„Diese  Einwendung  wäre  an  sich  ganz  richtig,"  entgcgnete  ich,  „aper  du
hast  eins  vergessen.  Erinnere  dich,  als  wir  begannen,  das  Wirtschaftsleben  von
innen  her,  theoretisch,  zu  betrachten,  da  sprachen  wir  davon,  daß  nian  eine
komplizierte  Maschine  nur  begreifen  lernt,  wenn  man  zuerst-  die  einfache
kennt,  aus  der  sie  hervorgegangen  ist.  Bei  den  wirtschaftlichen  Vorgängen,
sagten  wir,  ist  es  ebenso;  auch  da  muß  man  zuerst  die  einfachen  Verhältnisse ­
  studieren,  damit  man  nachher  die  komplizierteren  begreift.  Und  deshalb ­
  begannen  wir  damit,  das  Wertgesetz  für  die  einfachen  Verhältnisse
des  Handwerks  zu  untersuchen."
„Das  heißt  also,"  unterbrach  mich  Wilhelm  ungeduldig,  „daß  das
Wertgesetz  heute  nicht  mehr  gilt.  Da  habe  ich  also  doch  recht,  aber  dann
weiß  ich  wirklich  nicht,  wozu  wir  uns  so  lange  damit  herumgeplagt  haben/
„Bist  du  aber  hitzig!"  warf  Karl  lachend  dazwischen.  „Laß  doch  Gustav
zuerst  ausreden.  Da  werden  wir  ja  sehen,  ob  er  der  Meinung  ist,  daß
das  Wertgesetz  heute  tatsächlich  nicht  mehr  Geltung  hat."
„Es  wäre  allerdings  ganz  gut  gewesen,"  bestätigte  ich,  „wenn  Wilhelm ­
  noch  ein  bißchen  gewartet  hätte.  Das  Wertgesetz  gilt  heute  noch,
aber  es  äußert  sich  anders/'
„Na,  das  sind  aber  Haarspaltereien!"  rief  Wilhelm  ganz  entrüstet.
„Ist  es  da  nickt  besser,  einfach  zuzugeben,  daß  das  Gesetz  nicht  gilt,  als
daß  man  so  herumredet?"
            
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