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So ist die Erfahrnngsweisheit der „sozialen Autoritäten“, welche in
der Praxis tätig sind, in ihrer tiefsten Wurzel nicht verschieden
von dem eigenen Verfahren Le Play’s, womit selbstverständlich die
Unterschiede zwischen den systematischen wissenschaftlichen Unter
suchungen Le Play’s und den praktischen Erfahrungen seiner Ge
währsmänner nicht verwischt werden sollen.
Um die Erfahrungen der Praxis kennen zu lernen, versuchte
Le Play ohne jede vorgefaßte Überzeugung sich durch Beobachtung
an Ort und Stelle ein eigenes Urteil zu bilden. Diese Methode
der „direkten Beobachtung“ stellte er der amtlichen statisti
schen Erhebungsweise gegenüber:
„Die Statistik hat bis heute zur Hauptgrundlage die zahlenmäßigen
Angaben, die die Steuerverwaltung, Landesverteidigung, Gerichtsverwaltung
usw. betreffen und vom Staate beschafft werden. Sie wird besonders in den
Staaten angewendet, wo die Zentralisation der Verwaltung sehr entwickelt ist,
wo die Eegierung mit Hilfe ihrer Beamten Funktionen ausübt, die anderswo
Privatleuten anvertraut sind, und wo sie zum wenigsten durch Überwachung
in die hauptsächlichsten Zweige der nationalen Tätigkeit eingreift. Die
Resultate, die die Eegierung im Laufe ihrer Tätigkeit erzielt, sind wirkliche
Beobachtungen, denen ihr gemeinsamer offizieller Ursprung das besondere Ge
präge der Eichtigkeit gibt. Die Statistiker haben es sich zur Aufgabe gemacht,
diejenigen dieser Eesultate, die sich ziffernmäßig ausdrücken lassen, nebenein
ander zu stellen, und sie haben daraus genügende Mittel gewonnen, um unter
gewissen Verhältnissen die relative Stärke der Staaten zu vergleichen.
Indessen haben diese Vergleiche nicht immer die wünschenswerte Ge
nauigkeit und Ausdehnung. Die Statistiker haben keine Mittel direkter Be
obachtung zur Verfügung und sie müssen sich mit denen begnügen, die zu
einem der Wissenschaft fremden Zweck ins Werk gesetzt sind: sie können
die wesentlichsten Zweige der sozialen Tätigkeit nicht erfassen, die immer der
Privatinitiative anvertraut sind, selbst in den Staaten, wo die staatliche
Tätigkeit sehr weit ausgedehnt ist. Die Versuche, die landwirtschaftlichen,
industriellen und Handelsunternehmungen statistisch zu erfassen, sind gewöhn
lich gescheitert. Vergeblich hat man versucht, die Lücken durch einen Appell
an den guten Willen der privaten und der industriellen Gesellschaften auszu
füllen, oder hat den Beamten staatliche Vollmacht gegeben, die Erhebungen
anzustellen, die ihnen bei Ausübung ihrer offiziellen Funktionen nicht geliefert
werden; diese Untersuchungen haben selten zu vertrauenswürdigen Resultaten
geführt, sei es, weil es den dabei tätigen Beamten am guten Willen fehlte,
sei es weil sie nicht geeignet waren, sei es weil sie nicht über die nötige
Autorität verfügten, um die Schwierigkeiten, die sich erhoben, zu überwinden.
Noch weniger glücklich sind die Statistiker bei solchen Untersuchungen
gewesen, die sich auf die innere Natur des Menschen beziehen, auf die
Beurteilung der sozialen Verhältnisse, auf die Vergleichung der moralischen
und intellektuellen Eigenschaften und ganz allgemein auf die Elemente, die
man in Betracht ziehen muß, wenn man die Lage der arbeitenden Bevölkerung