Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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ermitteln  will.  Die  Ursachen  dieser  Unfähigkeit  sind  klar:  die  offiziellen
Resultate,  die  sich  auf  die  Gesamtheit  eines  Landes  erstrecken,  beziehen  sich
auf  gewisse  Punkte,  welche  die  Staatsgewalt  als  solche  interessieren,  abstrahieren ­
  aber  von  allen  Betrachtungen,  die  nur  akzessorisch  diese  Frage  berühren; ­
  sie  rechnen  weder  mit  der  be  sonderen  Natur  des  Individuums,  noch
mit  dem  Milieu,  in  dem  es  lebt;  die  offiziellen  Angaben  vernachlässigen  also
die  wesentlichen  Tatsachen,  die  die  Wissenschaft  beachten  muß,  wenn  sie  zu
Schlüssen  in  betreff  der  Einzelexistenzen  oder  der  verschiedenen  sozialen  Kategorien ­
  gelangen  will.  Wenn  sie  z.  B.  für  zwei  Länder  mit  gleicher  Bevölkerungszahl ­
  die  Vergehen  und  Verbrechen  auf  Grund  der  ergangenen  Urteile
vergleicht,  so  wird  man  in  bezug  auf  die  Moralität  der  Bevölkerung  ganz  ungenaue ­
  Schlüsse  ziehen  können.  Um  sich  zu  überzeugen,  welche  Irrtiimer
Schätzungen  dieser  Art  durch  einfachen  Vergleich  der  Zahlen  hervorrufen,
genügt  es  durch  direkte  Beobachtung  die  Ungleichheiten  zu  konstatieren,  die
zwischen  den  Einrichtungen  und  Sitten  der  beiden  Länder  bestehen,  was  Wirksamkeit ­
  der  Repressionsmittel,  Käuflichkeit  der  Richter,  unaufhörlicher  Zustrom
fremder  verbrecherischer  Elemente  usw.  anbetrifft.
Le  Play  gibt  zu,  daß  hervorragende  Gelehrte  diese  Mängel  überwunden ­
  haben,  indem  sie  eigene  Beobachtungen  mit  dem  statistischen ­
  Material  verarbeitet  haben.  Aber  diese  „gemischten
Methoden“  erfordern  von  dem,  der  sie  anwendet,  seltene  Eigenschaften ­
  :
„Man  hat  oft  mit  Recht  bemerkt,  daß  die  Kunst  der  Zahlengruppierung
es  erlaube,  mit  einem  gewissen  Grade  von  Wahrscheinlichkeit  jeden  Schluß
a  priori  zu  beweisen.
Wie  wird  dagegen  bei  der  direkten  Beobachtung  verfahren?
„Man  nimmt  sich  nicht  vor,  in  einem  allgemeinen  Schema  alle  sozialen
Fragen  zu  erfassen,  man  untersucht  jede  Frage  gesondert,  indem  man  sie  soviel
wie  möglich  umgrenzt,  damit  man  sie  vollständiger  behandeln  und  Schlüsse
von  mehr  praktischem  Nutzen  ziehen  kann.  Anstatt  von  einem  Gesichtspunkt
aus  für  jede  spezielle  Frage  die  Gesamtheit  des  Landes  zu  betrachten,  knüpft
man  nach  Möglichkeit  an  besondere  Fälle  oder  Örtlichkeiten  an,  die  man  von
allen  Seiten  untersucht.“
Ferner  ist  hierbei  die  Erhebung  nicht  Beamten  anvertraut,  sondern
Männern,  die  sich  besonders  dazu  eignen,
„die  niemals  die  materielle  Tatsache  von  den  moralischen  Erwägungen  sondern,
die  deren  Wichtigkeit  bestimmen  oder  die  ihren  bestimmten  Charakter  festlegen ­
  .  ...“  „In  diesem  System  ist  man  nicht  mehr  gezwungen,  zur  Kenntnis
der  speziellen  Tatsachen  durch  mehr  oder  weniger  entfernte  Induktionen ­
  zu  gelangen;  man  konstatiert  sie  direkt  an  den  Quellen
der  Beobachtung.“
Diese  Methode  der  direkten  Beobachtung  ist  besonders  in  England
gebräuchlich.  Das  Parlament  ordnet  über  irgendeine  Frage  eine
            
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