Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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sondern  immer  durch  die  öffentliche  Meinung  gegeben  worden
sei,  die  auch  die  vorbildlichen  Völker,  Landschaften  und  einzelne
Unternehmungen  wohl  kennt 1 ).
Sein  ganzes  Lebenswerk  betrachtet  Le  Play  als  im  Dienst  der
„Sozialen  Autoritäten“  stehend.  Als  im  Jahre  1870  sein  Werk
„l’organisation  du  travail“  einen  überraschenden  Erfolg  erzielte,
schrieb  er  in  einem  Briefe 2  * ):
Das  legt  mir  die  Pflicht  auf,  den  Erfolg  Gott  zuzuschreiben  und  hinter
den  sozialen  Autoritäten  zurückzustehen,  deren  Sekretär  ich  lediglich  hin.
Die  Familie  als  Zelle  der  menschlichen  Gesellschaft.  Die
Familien-Monographie  ist  für  Le  Play  das  „Präzisionsinstrument“
der  Sozialwissenschaft;  sie  ermöglicht,  die  beobachteten  Tatsachen
in  einer  immer  gleichen  und  demgemäß  vergleichbaren  Form  durch
Wort  und  Zahl  festzustellen.  Diese  Bedeutung  der  Familie  wird
dadurch  bedingt,  daß  sie  die  Ureinheit  der  menschlichen  Gesellschaft ­
  ist.  Sie  muß  der  Ausgangspunkt  der  Beobachtung  und  der
Kristallisationspunkt  aller  über  sie  hinausgehenden  wichtigen  sozialen
Tatsachen  sein  8 ).
Alle  Völker  betrachten  die  Familie  als  die  Grundlage  der  sozialen  Verfassung ­
  und  der  individuellen  Existenzen:  sie  schafft  mit  Hilfe  von  Gesetz
und  Sitte  eine  enge  Gemeinschaft  zwischen  blutsverwandten  Personen,  indem
sie  diese  z.  B.  verpflichtet,  ihre  Unterhaltsmittel  gemeinsam  zu  erwerben,  nach
gewissen  Kegeln,  aber  im  einzelnen  sehr  verschiedenartig.
Alle  Gesellschaften  enthalten  mindestens  noch  Beste  dieses  Urcharakters,
  der  also  von  der  menschlichen  Natur  untrennbar  ist.  Die
„soziale  Einheit“  ist  die  Organisation  in  der  Familie.  Daneben
gibt  es  noch  andere  Organisationsformen;  aber  sie  sind  erst  im
Laufe  der  Zeit  entstanden  und  haben  nicht  entfernt  die  Wichtigkeit ­
  wie  die  Familien-Organisation.
Ganz  verkehrt  ist  die  Auffassung,  als  ob  die  menschliche  Gesellschaft ­
  eine  Organisation  einzelner  Individuen  sei 4 ):
Die  Völker  bestehen  nicht  aus  Individuen,  sondern  aus  Familien:  die
beobachtende  Tätigkeit,  die  ungenau,  unbegrenzt  und  ohne  die  Möglichkeit
von  Schlußfolgerungen  wäre,  wenn  sie  sich  auf  Individuen  verschiedenen  Geschlechts ­
  und  Alters  in  einer  Gegend  erstrecken  wollte,  wird  bestimmt  be1 ­

 )  Bef.  soc.  I,  S.  70  u.  92;  ferner  0.  E.  I,  S.  387.
2 )  Bibbe  S.  86.
*)  0.  E.,  1.  Aufl.,  S.  18.
4 )  0.  E.  I,  220.
            
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