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sondern immer durch die öffentliche Meinung gegeben worden
sei, die auch die vorbildlichen Völker, Landschaften und einzelne
Unternehmungen wohl kennt 1 ).
Sein ganzes Lebenswerk betrachtet Le Play als im Dienst der
„Sozialen Autoritäten“ stehend. Als im Jahre 1870 sein Werk
„l’organisation du travail“ einen überraschenden Erfolg erzielte,
schrieb er in einem Briefe 2 * ):
Das legt mir die Pflicht auf, den Erfolg Gott zuzuschreiben und hinter
den sozialen Autoritäten zurückzustehen, deren Sekretär ich lediglich hin.
Die Familie als Zelle der menschlichen Gesellschaft. Die
Familien-Monographie ist für Le Play das „Präzisionsinstrument“
der Sozialwissenschaft; sie ermöglicht, die beobachteten Tatsachen
in einer immer gleichen und demgemäß vergleichbaren Form durch
Wort und Zahl festzustellen. Diese Bedeutung der Familie wird
dadurch bedingt, daß sie die Ureinheit der menschlichen Gesell
schaft ist. Sie muß der Ausgangspunkt der Beobachtung und der
Kristallisationspunkt aller über sie hinausgehenden wichtigen sozialen
Tatsachen sein 8 ).
Alle Völker betrachten die Familie als die Grundlage der sozialen Ver
fassung und der individuellen Existenzen: sie schafft mit Hilfe von Gesetz
und Sitte eine enge Gemeinschaft zwischen blutsverwandten Personen, indem
sie diese z. B. verpflichtet, ihre Unterhaltsmittel gemeinsam zu erwerben, nach
gewissen Kegeln, aber im einzelnen sehr verschiedenartig.
Alle Gesellschaften enthalten mindestens noch Beste dieses Urcharak-
ters, der also von der menschlichen Natur untrennbar ist. Die
„soziale Einheit“ ist die Organisation in der Familie. Daneben
gibt es noch andere Organisationsformen; aber sie sind erst im
Laufe der Zeit entstanden und haben nicht entfernt die Wichtig
keit wie die Familien-Organisation.
Ganz verkehrt ist die Auffassung, als ob die menschliche Ge
sellschaft eine Organisation einzelner Individuen sei 4 ):
Die Völker bestehen nicht aus Individuen, sondern aus Familien: die
beobachtende Tätigkeit, die ungenau, unbegrenzt und ohne die Möglichkeit
von Schlußfolgerungen wäre, wenn sie sich auf Individuen verschiedenen Ge
schlechts und Alters in einer Gegend erstrecken wollte, wird bestimmt be
1 ) Bef. soc. I, S. 70 u. 92; ferner 0. E. I, S. 387.
2 ) Bibbe S. 86.
*) 0. E., 1. Aufl., S. 18.
4 ) 0. E. I, 220.