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‘) 0. E. I, 210.
i 2 ) 0. E. I, 214.
Verschiedenheiten zu erklären. Aber durch immer neue Beobach
tungen glaubte er sich davon überzeugt zu haben, daß seine Zweifel
unbegründet seien 1 ):
Man könnte auf den ersten Blick glauben, daß das Studium einer über
ein weites Gebiet verstreut wohnenden Gesellschaft nicht ausgeführt werden
könne durch methodische Beobachtung einer kleinen Zahl von Familien, die
den hauptsächlichsten handarbeitenden Berufen angehören. Die Natur des
Menschen zeigt eine unbegrenzte Verschiedenheit; die Kinder aus einer Ehe
zeigen in der Wahl des Guten und Bösen oft entgegengesetzte Neigungen.
Um so mehr, so scheint es, müßten an demselben Ort und in demselben Beruf
recht große Unterschiede zwischen den einzelnen Familien herrschen. Diese
Annahme wird aber durch die Tatsachen keineswegs bestätigt. Ich werde
zeigen, wie es den guten sozialen Verfassungen gelingt, die Ungleichheiten
auszutilgen, die die Verschiedenheiten der menschlichen Natur herbeiführen
müßten.
Le Play stellt nun zunächst fest, daß bei den von ihm be
obachteten primitiven Völkern jene Verschiedenheiten überhaupt
noch nicht vorhanden sind; sie bilden sich erst mit Entstehung ver
schiedener Berufsarten, durch vollständige Besitzergreifung des Bodens,
durch Steigerung des Wohlstands. So geht es z. B. bei den Acker
bau- Völkern 2 ):
Die Familien erwerben oft mehr Land, als sie selbst bearbeiten können.
Den Überfluß geben sie an Pächter ab und leben von der Bente, die sie
dafür bekommen. Sie selbst wenden sich liberalen Berufsarten zu.
Der Bauer kann nur einem seiner Kinder sein Besitztum hinterlassen;
die übrigen siedelt er in der Nachbarschaft an als freie Arbeiter usw.
Durch eine derartige Differenzierung des Berufs und des
Einkommens kompliziert sich das soziale Problem immer mehr; aber
es gibt auch in solchen Zuständen noch Mittel, um die Beobachtung
des Sittengesetzes und das tägliche Brot zu sichern. Und darauf,
so sagt Le Play, kommt alles an. Diese beiden Existenzbedürfnisse
jeder menschlichen Gesellschaft werden, nach Le Play, befriedigt durch
zwei dauernde Grundelemente, durch das göttliche Gebot und durch
die väterliche Gewalt, sowie durch fünf variable Elemente: durch die
Formen der Religion, durch die Staatsordnung und durch die drei
Arten des Grundeigentums (Gemeineigentum, Patronagesystem und
Privateigentum). Nur diese fünf variablen Elemente hält Le Play
für die Quellen der sozialen Differenzierung: