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des sozialen Friedens. Eine an sich berechtigte, aber viel zu all
gemeine und auch einseitige, unvollständige Fragestellung. Sie
schob schon einen Teil der zu beobachtenden Tatsachen in den
Vordergrund, einen anderen Teil in den Hintergrund; sie konnte
den verwickelten Tatbeständen ausgebildeter sozialer Differenzierung
nicht gerecht werden. Ferner war aber auch dasjenige, was er
suchte, schon in seinem eigenen Geiste für ihn gegeben: ein allge
meiner idealer Wertmaßstab der zu beobachtenden Tatsachen, der
diese unvermeidlich färbte. Seine Erkenntnis war also von Voraus
setzungslosigkeit weit entfernt.
Sie war auch nur scheinbar zwingend. Ihr zwingender Cha
rakter lag unbewußt darin, daß sich seine Beobachtungen von An
fang an und später nur noch immer mehr nach dem Prinzip orien
tierten, daß die Beobachtung des Sittengesetzes und die Sicherung
des täglichen Brotes die wesentlichen Bestandteile des sozialen
Wohlergehens seien. Wo die von ihm beobachteten Tatsachen für
die Wahrheit dieses Prinzips sprachen, da wurden sie von ihm ohne
weiteres als Beweismittel verwendet; wo sie gegen die Wahrheit
des Prinzips sprachen, erschien ihm dies als ein sicheres Symptom
des Verfalles, während es doch ebensogut ein Zeichen eines Über
gangszustands oder auch der unzureichenden Fragestellung sein
konnte. Aber das kam ihm nicht in den Sinn. Deshalb wirkten
seine „Induktionen“ auf ihn selbst um so mehr zwingend, je
weiter er seine Beobachtungen ausdehnte; aber bei Nachprüfung
seiner scheinbaren Induktionsschlüsse werden wir sehen, daß diese
keineswegs zwingend und überhaupt oft gar keine wirklichen In
duktionen waren, sondern Deduktionen aus vorgefaßten Meinungen.
Das war kein naturwissenschaftliches Verfahren.
Gerade diejenigen Beobachtungen Le Play’s, die bei weiterem
Ausbau seiner Methode ihr einen zwingenden, einen naturwissen
schaftlichen Charakter hätten geben können, die meßbaren Tat
sachen der Familien-Wirtschaft, ließen sich im Lichte seiner sozialen
Wertmaßstäbe am wenigsten verwerten und sind auch, soweit er
sichtlich ist, kaum von ihm verwertet worden. Deshalb gelangte
die Entwicklung der Methode, soweit sie einen naturwissenschaft
lichen Charakter hatte oder doch haben konnte, nicht über die
Beobachtung hinaus. Schon die Analyse der beobachteten Tat
sachen konnte gar nicht mehr einen solchen Charakter haben, noch
weniger die Synthese.