Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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Lavergne  hat  schon  darauf  aufmerksam  gemacht 1 ),  daß  Le
Play  diese  bei  seiner  Methode  wichtige  Frage  nicht  eingehend
genug  behandelt  hat.  Er  sagt  weiter:
Darin  liegt  der  Hauptübelstand  der  Monographien,  daß  sie  nicht  aut  die
Ergebnisse  der  allgemeinen  Statistik  gestützt  sind.  Man  kann  zweifellos  Durchschnitte ­
  leicht  mißbrauchen,  und  man  hat  sie  oft  mißbraucht,  aber  es  ist  unmöglich, ­
  irgendeinen  Schluß  zu  ziehen  ohne  diese  Grundlage.
Lavergne  wünscht  besonders  eine  größere  Zahl  von  Haushalts-Budgets
  und  die  Produktions-  und  Konsumtionsziffern.  Für  eine
strenge  Vergleichung  der  einzelnen  Budgets  wäre  damit  allerdings
schon  eine  bessere  Grundlage  geschaffen.  Sie  hat  Le  Play  vielleicht
beabsichtigt,  aber  nie  durchgeführt.
Die  Budgets  sind  bei  Le  Play  eine  ziemlich  fruchtlose  Arbeit
geblieben,  „Perlen  ohne  Schnur“  nach  einem  Worte  Engel’s.  Die
gelegentliche  Verwertung  einzelner  Zahlen  bei  Le  Play  wäre  auch
ohne  Budget  möglich  gewesen.  Le  Play  entnimmt  aus  den  Zahlen
lediglich  das,  was  er  für  wichtig  hält,  also  z.  B.  welche  Bolle  die
Eigenproduktion  im  Gesamtbudget  spielt,  welche  Bedeutung  den
Subventionen  zukommt  u.  a.  m.  Die  Hauptaufgabe  des  Budgets,
nämlich  die  Messung  der  Lebenshaltung,  zunächst  physiologisch,
dann  kulturell,  hat  Le  Play  nicht  zu  lösen  versucht.  Es  findet  sich
aber  bei  Le  Play  eine  Äußerung,  die  vielleicht  zeigt,  daß  er  aus
bestimmten  Gründen  davon  absah.  Von  dem  Pariser  Schiffsauslader 2  3 ),
der  sich  gern  berauschte,  sagt  Le  Play:
Nach  einer  von  den  kompetentesten  Personen  am  Orte  vorgenommenen
Untersuchung  ist  die  vom  Familienvater  anfgenommene  Nahrung  nicht  genügend, ­
  um  seine  Kräfte  vollständig  wiederherzustellen.  Der  Wein,  den  der
Arbeiter  außerhalb  der  Familie  trinkt,  um  sich  das  Vergnügen  eines  Rausches
zu  verschaffen,  gleicht  lange  nicht  das  aus,  was,  regelmäßig  verteilt,  die  normale ­
  Erhaltung  seiner  Kräfte  sicherstellen  würde.
Ein  paar  Seiten  weiter  ist  von  den  Bretagner  Saisonarbeitern 8 )  die
Bede,  die  sich  viel  schlechter  als  der  einheimische  Pariser  Arbeiter
nähren:
Man  ist  erstaunt,  daß  sie  bei  der  schlechten  Nahrung  die  Arbeit  mit
Leichtigkeit  ertragen  können.  Wenn  es  in  gewissem  Sinne  zuzugeben  ist,  daß
die  Arbeitsfähigkeit  eines  Arbeiters  von  dem  Nahrungsverbrauch  abhängig  ist,
so  muß  man  doch  auch  den  ursprünglichen  Fonds  von  Kraft  und  Gesundheit
berücksichtigen,  der  auf  Rechnung  der  moralischen  Gewohnheiten,  der  regel-J

 )  Lavergne,  L’agriculture  et  la  population.  Paris  1865.
2 )  0.  E.  VI,  482.
3 )  0.  E.  VI,  489  unten.
            
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