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mäßigen Sitten zu setzen ist, die von Kindheit an geübt sind. Bei den
Menschen, die seit ihrer Jugend durch Trunkenheit und Laster geschwächt
sind, ist die Notwendigkeit der Kräfte-Erneuerung konstanter und gebieterischer;
daraus resultiert eine höhere Ausgabe und die Notwendigkeit eines höheren
Lohnes. Die Arbeiter, die am meisten und am billigsten arbeiten, haben alle
durch geregelte Gewohnheiten und musterhafte Sitten in der Jugendzeit eine
robuste Gesundheit und ursprüngliche Kraft erlangt. Die Erfahrung widerlegt
täglich unter meinen Augen das Axiom der politischen Ökonomie, das, ohne
sich von den moralischen Einflüssen Kechenschaft zu geben, einfach die
Leistungsfähigkeit (puissance du travail) zur Menge der verbrauchten Nahrung
in Beziehung setzt.
Was Le Play hier sagt, ist nicht ohne Berechtigung und zeigt
wieder die Schwierigkeit aller wirtschafts-wissenschaftlichen Ver
gleiche : der hier vorliegende Fall ist aber so extrem, daß er nichts
beweist. Zu genauerer Vergleichung der physiologischen Werte
wird man Arbeiter mit durchschnittlichen Lebens-Gewohnheiten sehr
gut verwenden können.
Inwieweit dieser Mangel die Ergebnisse Le Play’s entwertet,
ist eine Frage für sich. Seine Zahlen haben für seine Ergebnisse
tatsächlich nur relativ geringen Wert erlangt, und insofern ist der
ganze Plan seiner Methode unausgeführt geblieben. Le Play ver
glich nicht Zahlen, sondern nur Zustände, Sitten, Gesetze usw. Sie
sind in der Tat mehr oder weniger „typisch“. Aber da ein ver
gleichbares Gerippe an Zahlen fehlt, läßt sich nicht feststellen, in
wieweit die sich aus den Vergleichen ergebenden Schlüsse
zwingend, allgemeingültig, „typisch“ sind. Dabei muß hier unerörtert
bleiben, ob die Forderung, die von Le Play gewählten Familien
müßten „typischen“ Charakter haben, am letzten Ende berechtigt
ist, ob sie erfüllt werden muß, wenn die Aufgabe, die Le Play sich
stellte, gelöst werden soll. So wie er diese Aufgabe faßte, indem
er in der einzelnen Familie einen Repräsentanten der ganzen Ge
sellschaft erblickte, ist jene Forderung sicherlich berechtigt, und da
er ihre Erfüllung auf keine Weise gewährleistete, läßt uns seine
Methode wiederum im Stich.
Die Bedeutung der Zahlen hei Le Play. Wie wir jetzt
wissen, besteht bei Le Play ein Zwiespalt zwischen der ursprüng
lichen Absicht und der daraus hervorgegangenen Anlage der Mono
graphie einerseits, wobei das Schwergewicht durchaus auf den
Zahlen des Budgets liegen sollte, und zwischen der wissenschaft
lichen Verwertung der so mühsam gewonnenen Zahlen. Er erwartete
von diesen Zahlen eine vollständige Aufklärung über die Existenz