Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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mäßigen  Sitten  zu  setzen  ist,  die  von  Kindheit  an  geübt  sind.  Bei  den
Menschen,  die  seit  ihrer  Jugend  durch  Trunkenheit  und  Laster  geschwächt
sind,  ist  die  Notwendigkeit  der  Kräfte-Erneuerung  konstanter  und  gebieterischer;
daraus  resultiert  eine  höhere  Ausgabe  und  die  Notwendigkeit  eines  höheren
Lohnes.  Die  Arbeiter,  die  am  meisten  und  am  billigsten  arbeiten,  haben  alle
durch  geregelte  Gewohnheiten  und  musterhafte  Sitten  in  der  Jugendzeit  eine
robuste  Gesundheit  und  ursprüngliche  Kraft  erlangt.  Die  Erfahrung  widerlegt
täglich  unter  meinen  Augen  das  Axiom  der  politischen  Ökonomie,  das,  ohne
sich  von  den  moralischen  Einflüssen  Kechenschaft  zu  geben,  einfach  die
Leistungsfähigkeit  (puissance  du  travail)  zur  Menge  der  verbrauchten  Nahrung
in  Beziehung  setzt.
Was  Le  Play  hier  sagt,  ist  nicht  ohne  Berechtigung  und  zeigt
wieder  die  Schwierigkeit  aller  wirtschafts-wissenschaftlichen  Vergleiche ­
  :  der  hier  vorliegende  Fall  ist  aber  so  extrem,  daß  er  nichts
beweist.  Zu  genauerer  Vergleichung  der  physiologischen  Werte
wird  man  Arbeiter  mit  durchschnittlichen  Lebens-Gewohnheiten  sehr
gut  verwenden  können.
Inwieweit  dieser  Mangel  die  Ergebnisse  Le  Play’s  entwertet,
ist  eine  Frage  für  sich.  Seine  Zahlen  haben  für  seine  Ergebnisse
tatsächlich  nur  relativ  geringen  Wert  erlangt,  und  insofern  ist  der
ganze  Plan  seiner  Methode  unausgeführt  geblieben.  Le  Play  verglich ­
  nicht  Zahlen,  sondern  nur  Zustände,  Sitten,  Gesetze  usw.  Sie
sind  in  der  Tat  mehr  oder  weniger  „typisch“.  Aber  da  ein  vergleichbares ­
  Gerippe  an  Zahlen  fehlt,  läßt  sich  nicht  feststellen,  inwieweit ­
  die  sich  aus  den  Vergleichen  ergebenden  Schlüsse
zwingend,  allgemeingültig,  „typisch“  sind.  Dabei  muß  hier  unerörtert
bleiben,  ob  die  Forderung,  die  von  Le  Play  gewählten  Familien
müßten  „typischen“  Charakter  haben,  am  letzten  Ende  berechtigt
ist,  ob  sie  erfüllt  werden  muß,  wenn  die  Aufgabe,  die  Le  Play  sich
stellte,  gelöst  werden  soll.  So  wie  er  diese  Aufgabe  faßte,  indem
er  in  der  einzelnen  Familie  einen  Repräsentanten  der  ganzen  Gesellschaft ­
  erblickte,  ist  jene  Forderung  sicherlich  berechtigt,  und  da
er  ihre  Erfüllung  auf  keine  Weise  gewährleistete,  läßt  uns  seine
Methode  wiederum  im  Stich.
Die  Bedeutung  der  Zahlen  hei  Le  Play.  Wie  wir  jetzt
wissen,  besteht  bei  Le  Play  ein  Zwiespalt  zwischen  der  ursprünglichen ­
  Absicht  und  der  daraus  hervorgegangenen  Anlage  der  Monographie ­
  einerseits,  wobei  das  Schwergewicht  durchaus  auf  den
Zahlen  des  Budgets  liegen  sollte,  und  zwischen  der  wissenschaftlichen ­
  Verwertung  der  so  mühsam  gewonnenen  Zahlen.  Er  erwartete
von  diesen  Zahlen  eine  vollständige  Aufklärung  über  die  Existenz ­
            
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