Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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bedingungen  der  Familien,  ja  auch  über  deren  Empfindungsleben.
Warum,  so  fragen  wir,  hat  er  so  wenig  von  den  Zahlen  verwertet?
Warum  hat  er  sie  nie  einander  gegenübergestellt  ?
Auch  Paul  de  Eousiers  hat  sich  schon  mit  dieser  Frage  beschäftigt. ­
  Er  macht  darauf  aufmerksam,  daß  ein  für  die  Anschauungen ­
  Le  Play’s  so  wichtiger  Kreis  von  Tatsachen,  wie  es  die  Erziehung ­
  der  Kinder  ist,  in  den  Zahlen  der  Familien-Budgets
Le  Play’s  wenig  oder  gar  nicht  zur  Geltung  gelangt  ist.  Aber  wie
wäre  es  möglich  gewesen,  den  Wert  der  Erziehung  in  solchen  Zahlen
auszudrücken?  Man  kann  die  Arbeit  der  Mutter  für  Vieh  und
Garten,  für  den  engeren  Haushalt,  für  Anfertigung  von  Kleidern
für  die  Kinder  usw.  ungefähr  abschätzen  und  in  Geld  bewerten,
aber  die  erzieherische  Tätigkeit,  die  doch  mehr  ein  lebendiges  Beispiel ­
  als  eine  besondere  Arbeit  ist,  läßt  sich  weder  in  Zeit  noch  in
Geld  abschätzen.
So  ist  es  in  anderen  Fällen  auch.  Was  erfahren  wir  aus  dem
Budget  über  das  jeweilige  Erbrecht?  Vielleicht  ersehen  wir  aus
der  Zahlung  von  Zinsen  an  die  Geschwister  oder  an  Kreditanstalten
etwas  derartiges;  meist  ist  es  nicht  der  Fall  und  wenn  schon,  so
sind  das  doch  nur  unbestimmte  Anhaltspunkte.  Eher  lassen  sich
schon  die  wirtschaftlichen  Wirkungen  des  Patronage-Systems,
der  „Subventionen“,  aus  den  Zahlen  der  Subventionen  ersehen.
Aber  doch  nur  die  unmittelbaren  Wirkungen,  nicht  ihre  weiteren,
welche  sich  auf  die  dauernde  Existenz  der  Familien  beziehen.
Überhaupt  sagen  uns  die  Zahlen  Le  Play’s  nichts  von  der  Entwicklung ­
  der  Familien,  und  selbst  der  erläuternde  Text  enthält
darüber  nur  wenig,  selbst  von  der  gegenwärtigen  Generation,  geschweige ­
  denn  von  den  früheren.  Liegt  das  an  der  Fragestellung
oder  daran,  daß  es  eben  keine  Entwicklung  gab,  daß  diese  stagnierte? ­
  Le  Play  bleibt  uns  die  Antwort  schuldig.
Zu  diesen  Lücken  im  Budget  tritt  als  weiterer  Mangel  hinzu,  daß
andere  wichtige  Funktionen  zwar  zahlenmäßig  erscheinen,  daß  aber
die  Größe  der  Zahlen  zur  Wichtigkeit  der  Funktionen
in  keinem  Verhältnis  steht,  und  daß  sich  deshalb  ihre  zahlenmäßig ­
  feststellbaren  Wirkungen  weder  mit  denen  anderer  Funktionen ­
  derselben  Familie  vergleichen  lassen,  noch  mit  den  Wirkungen
derselben  Funktionen  anderer  Familien.  De  Eousiers  erwähnt  besonders ­
  den  Unterricht  und  die  religiöse  Betätigung;  man  kann  aber
ruhig  sagen,  daß  das  gesamte  geistige  und  sittliche  Leben  im  Budget
nicht  in  der  richtigen  Weise  zur  Geltung  kommt.  De  Eousiers  zieht
            
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