Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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über  seine  vier  Wände  und  die  materiellen  Genüsse  hinausgehen.
Daß  solche  kleinen,  aber  wie  uns  scheint,  sehr  wesentlichen  Züge,
vergessen  werden  konnten,  liegt  an  der  Art  der  Aufnahme.  An  und
für  sich  wäre  das  Budget  wohl  geeignet,  uns  über  solche  Tatsachen
zu  unterrichten;  unter  den  Ausgaben  hätte  der  Beitrag  für  den
Verein  und  die  Ausgabe  für  die  Zeitung  erscheinen  müssen  und  im
Texte  wäre  das  entsprechend  zu  erläutern  gewesen.
Le  Play  glaubt,  daß  es  leicht  sei,  das  Eigentum  der  Familien
zahlenmäßig  zu  erfassen,  obwohl  diese  dazu  neigen,  es  zu  verheimlichen. ­
  Vermietetes  oder  verpachtetes  Eigentum  und  ausgeliehenes
Kapital  will  er  nach  dem  Zins  berechnen.  Es  liegt  aber  doch  nahe,
daß  von  verheimlichtem  Eigentum  auch  dieser  Zins  nicht  oder  nicht
richtig  angegeben  wird.  Darüber  sagt  Le  Play  nichts.  Andererseits ­
  ist  es  richtig,  daß  die  in  Betracht  kommenden  Familien  meist
ihr  Eigentum  selbst  nutzen.  Die  Einnahmen  wie  der  Kapitalwert
werden  danach  berechnet,  was  sie  nach  Ortsbrauch  zahlen  müßten,
wenn  sie  nicht  Eigentümer  wären.
Ein  anderer  Mangel  des  Budgets  ist,  daß  die  Bewertung  des
Vermögens  sich  erschöpft  in  der  Angabe  des  Verkaufs  wertes.
Sehr  wichtige  Fragen  bleiben  dabei  unbeantwortet,  vor  allem  die
nach  der  Herkunft  des  Vermögens:  ob  Erbschaft  des  Mannes  oder
Mitgift  der  Frau  oder  Ersparnis  beider.  Ganz  willkürlich  sind  aber
selbst  die  Angaben  des  Verkaufswertes  da,  wo  sich  überhaupt  noch
kein  solcher  Wert  gebildet  hat;  also  z.  B.  bei  den  Baschkiren  der
asiatischen  Steppe,  wo  der  Boden  alle  15  Jahre  neu  aufgeteilt  wird.
Hier  hat  Le  Play  einfach  einen  Verkaufs  wert  für  den  Grund  und
Boden  konstruiert.
Eine  zweifelhafte  Berechnung  ist  auch  die  des  Ertrags  aus  den
sogenannten  „Subventionen“.  So  berechnet  er  z.  B.  den  Wert
der  Nutznießung  an  einer  Weide  folgendermaßen:  er  nimmt  in  diesem
Beispiel  an,  daß  die  Familie  eine  Kuh  hält;  allen  Einnahmen,  die
die  Familie  von  der  Kuh  hat,  stellt  er  alle  Ausgaben  gegenüber;
die  Differenz  ergibt  den  Wert  der  Weidegerechtigkeit  und  enthält
außerdem  noch  den  ganzen  Unternehmerlohn  aus  dieser  Tätigkeit.
Da  es  sich  aber  immer  nur  um  geringe  Summen  handelt,  glaubt  Le
Play,  daß  bei  der  Scheidung  dieser  beiden  Faktoren  keine  erheblichen ­
  Fehler  unterlaufen  könnten.  Immerhin  läßt  diese  Berechnung
die  notwendige  Genauigkeit  vermissen.
Die  gewerblichen  Arbeiten,  welche  für  eigene  Rechnung  der
Familie  unternommen  werden,  nennt  Le  Play  „gymnastique  de  la
            
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