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Nach dem Mittagsmahls verabschiedeten wir uns von
der Gräfin und fuhren ins Hotel, um uns zur Abreise
vorzubereiten. Lassalle folgte und verließ uns nicht
mehr, bis der Zug, mit dem wir reisten, sich in Bewegung
setzte. Es verging keine Viertelstunde, daß er mir
nicht wiederholte: „Ich erwarte Ihre Antwort aus
Rußland, beeilen Sie sich nicht, prüfen Sie sich ordentlich!"
Auf ihn, den Traurigen, Gramerfüllten hinblickend, gab
ich ihm das Wort, daß ich seinen Wunsch erfüllen wolle.
Im Wartesaal, wo wir in Erwartung des Abganges
uns hingesetzt hatten, war Lassalle in nervöser, fieberhafter
Aufregung; er saß neben mir, konnte aber nicht
sprechen; schweigend schaute er mir in die Augen, und
wenn er den Versuch machen wollte, zu sprechen, verwandelten
sich seine Worte in dumpfe Töne ohne Zusammenhang
und in unterdrückte Seufzer. Ich konnte
nicht ohne Tranen auf ihn blicken, meine Kehle war wie
zugeschnürt, ich war in einem der Ohnmacht nahen Zustande,
bemühte mich aber nach Kräften, diesen Zustand
zu verbergen, um in ihm keine falschen Hoffnungen zu
erwecken. Ich dachte immer, wie schön es wäre, wenn
wir, wie früher, als Freunde scheiden könnten.
Nachdem er uns in den Waggon placiert hatte, stand
er, die Hände auf der Brust gekreuzt und mit dem Rücken
an eine eiserne Säule gelehnt, so trübsinnig und blaß,
daß diesdr Anblick, wie ich ihn das letztemal sah, auf
ewig sich in mein Gedächtnis eingeprägt hat. Als unser
Zug sich in Bewegung setzte, stürzte er ihm plötzlich nach,
blieb aber sofort wieder stehen, winkte mit der Hand,
schwankte und lehnte sich wieder an die Säule. Der
Zug flog dahin, und er war nicht mehr zu sehen.