Platin
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Plattierte Waren
nolin und Terpentin eine dem vorgelegten Muster
sehr ähnliche Masse.
Platin (Platina, lat. Platinum, frz. Platine,
engl. Platinum), das bekannte Edelmetall und
unentbehrliche Hilfsmittel des Chemikers, Phy
sikers und Technikers, wurde in der Mitte des
18. Jahrhunderts in dem goldhaltigen Sande des
Rio Tinto in Neugranada und anderer mexika
nischer und südamerikanischer Flüsse entdeckt.
Man hielt es anfangs für ziemlich wertlos und
nannte es nach dem spanischen Namen für Silber
(Plata) Platina, d. h. Kleinsilber. Im Jahre 1822
wurden ergiebige Lager im Ural und später in
Kalifornien und Australien erschlossen, während
die vereinzelten deutschen Vorkommnisse in Ibben
büren und Wilhelmshütte im Harz nur geringe
Bedeutung besitzen. Das P. findet sich in der
Natur stets im metallischen Zustande, aber nicht
rein, sondern in Legierung mit einer Reihe nahe
verwandter Elemente: Iridium, Palladium, Rho
dium, Osmium und Ruthenium, mit denen es
tu der Gruppe der Platinmetalle zusammen
gefaßt wird. Meist sind die Flitter und Körnchen
dieser Legierungen in dem Schwemmsande der
Flüsse, den Seifen, mit Resten von Mineralien
vermischt oder auch zu größeren Konglomeraten
verwachsen und verkittet, die als Platinerze
bezeichnet und nach ihrem Platingehalte (zwi
schen 60 und 80 0/0) in verschiedene Wertstufen
unterschieden werden. Zur Reindarstellung des
P. werden die Erze zunächst mit heißer Salzsäure
von den unedlen Metallen, darauf mit kaltem
Königswasser vom Golde befreit und schließlich
mit heißem Königswasser behandelt. Di^ Lö
sung, die mit Ausnahme von Iridosmium alle
Platinmetalle enthält, wird mit Ammoniak und
Salmiak gefällt und der Niederschlag durch
Glühen in iridiumhaltigen Platinschwamm ver
wandelt. Nach dem Verfahren von Heraeus
Mst man die Platinerze in verdünntem Königs
wasser unter Druck, dampft die Lösung ein und
erhitzt den Rückstand auf 125°, wodurch Palla
dium- und Iridiumchlorid in die Chlorüre über
geführt werden. Nach dem Aufnehmen mit Salz
säure und Fällen mit Chlorammonium erhält man
uun das P. ziemlich frei von Iridium. Noch an
dere Verfahren bedienen sich des Ätznatrons oder
des Ätzkalkes, um aus der zuerst mit Königs
wasser erhaltenen Lösung das Eisen, Kupfer, Iri
dium und Rhodium auszufällen. Der nach der
®)hen oder anderen Arbeitsweise erhaltene P.-
Bchwamm bildet nach dem Zerreiben ein graues
Pulver, das nur bei der Hitze des Knallgas-
gobläses in Tiegeln oder vertieften Herden aus
Sebranntem Kalk geschmolzen werden kann. Die
S e &chmolzene Masse besitzt eine grauweiße Farbe
Un d ein spez. Gew. von 21,4. Sie ist so gefügig
u nd bearbeitbar wie das beste Kupfer, zähe und
geschmeidig, läßt sich gießen und hämmern, zu
“habt ausziehen und zu Blech walzen. Das
^■tomgewicht beträgt Pt= 194,8. Für die meisten
jGvecke der Praxis ist ein gewisser Iridiumge-
«alt vorteilhaft, da Legierungen mit 10—150/0
hidium der Hitze und den Säuren besser wider
stehen, und solche mit 20 °/o Iridium sind selbst
ge gen Königswasser unangreifbar. Wegen seiner
''ortrefflichen Eigenschaften, seiner Beständig-
•feit gegen Feuer und Chemikalien wird das P.
zahlreichen Geräten des chemischen Labo
ratoriums : Blechen, Tiegeln, Retorten und Scha
len verarbeitet. Flußsäure wird in Platinflaschen
aufbewahrt und Schwefelsäure in Platinkesseln
eingedampft. Allerdings sind bei seiner Ver
wendung gewisse Vorsichtsmaßregeln zu beob
achten. Das Platin muß in erster Linie vor der
Berührung mit glühenden Kohlen und rußenden
Flammen geschützt werden, weil es sonst durch
■Bildung von Kohlenstoff-Platin brüchig wird.
Auch darf es, nicht zum Schmelzen von Metallen
(besonders Blei) und von ätzenden Alkalien so
wie zum Arbeiten mit Chlor, Brom, Jod, Phos
phor und Schwefel benutzt werden. — In einer
besonders feinen Verteilung, Platinschwamm,
erhält man das Metall beim Glühen von Platin
salmiak, und in Form eines höchst feinen schwar
zen Pulvers, Platinmohr und Platinschwarz,
wenn man die mit Kalilauge vermischte Lösung
in Königswasser mit Alkohol, Zucker oder Zink
reduziert. Dieses Pulver hat die Eigenschaft,
große Mengen Sauerstoff, bis zum toofachen
seines Volumens, in seinen Poren zu verdichten
und dadurch in einen weit aktiveren Zustand zu
versetzen. Es wird daher im Schwefelsäüre-Kon-
taktverfahren und zur Herstellung selbsttätiger
Gaszünder verwandt. — Das Platin dient außer
zu den genannten chemischen Gerätschaften zur
Herstellung von Normalmaßen, ferner auch in
Legierung mit Gold oder Silber in der Zahn
technik und zum Platinieren anderer Metalle für
Blitzableiterspitzen, Wageschalen und Gewichts
sätze, in Form seiner Verbindungen (s. Platin
chlorid) zum Tonen in der Photographie statt
der Goldbäder, zum Bemalen von Porzellan und
Steingut und zur Herstellung von Spiegeln. Der
Preis ist außerordentlich schwankend und soll
durch Einschränkung der russischen Gewinnung
absichtlich hoch gehalten werden. Im Jahre 1914
betrug er 6 M. für 1 g, die Ausbeute 7000 kg.
Platinchlorid (Chlorplatin, lat. Platinum
chloratum, frz. Chlorüre de platine, engl. Chlo
ride of Platinum) wird durch Auflösen von Platin
metall in heißem Königswasser und vorsichtiges
Eindampfen in Form dunkelroter Kristalle er
halten, die sich in Wasser mit gelber Farbe lösen.
P. dient zur Herstellung von Platinlüster auf
Glas und Porzellan, in der analytischen Chemie
zur quantitativen Bestimmung des Kaliums, in
der Photographie zu Tonbädern und zur Her
stellung von Platinpapieren.
Platinoid, eine Metalllegierung, besteht aus
Neusilber (Argentan) mit einem Gehalt von 1 bis
2 0/0 Wolframmetall.
Plattierte Waren sind Metallgegenstände aus
einem geringwertigen Metalle, das mit Blätt
chen oder dünnem Blech eines wertvolleren
Metalles überzogen ist. Kupfer oder Neusilber
bilden meist die Grundmasse, Silber, seltener
Gold, die Decke. Das Plattieren, das vor 150
Jahren in England aufkam, hat seit Einführung
des Neusilbers und der vernickelten Waren so
wie seit dem Auftreten der galvanischen Ver
silberung sehr an Bedeutung verloren. — In der
Regel werden die zur Herstellung plattierter
W. bestimmten Bleche von unedlem Metall
gleich mit etwa papierdicken Silberblättern (!/ 40
bis i/ro vom Gesamtgewichte) belegt, indem man
das Blatt über die Ränder der Platte umbiegt,
beide über Kohlenfeuer glüht und durch An