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3o schilderte der Herr Ministerialrat Tr. Rohmer im bayeri
schen Abgeordnetenhause am 13. Januar 1916 die Lage der
bayerischen Knappschaftsvereine und führt? dabei aus:
„Nach der Knappschaftsstatistik für 1914 beträgt die Ge
samtsumme der Invaliden-, Witlven- und Waisenpensionen
aller Vereine vor dem Kriege bereits 837,663 Mark. Nun ist
zu befürchten, daß diese Lasten durch den Krieg auf nahezu
1 Million steigen werden, wodurch sich die Lage der Ver
eine recht beträchtlich verschlechtern wird."
Der Miesbacher Knappschaftsverein in Oberbayern, der 1916
am Jahresschlüsse 3193 Mitglieder aufwies, hat in 2 Jahren, und
zwar vom Schlüsse des Jahres 1914 bis 1916, eine Vermögens-
Minderung von 47 937 Mark durch die Kriegseinwirkung erlitten.
So wie in den preußischen und bayerischen Knappschaftsvereinen
sieht es auch in denen der anderen Bundesstaaten aus.
Deshalb erklären auch die Werksvertreter in den Knapp
schaftsvereinen, daß sie wohl die große Notlage der Knapvschafts-
invaliden, Witwen und Waisen anerkennen: aber wegen der Ver-
nhlechterung der Vermögensverhältnisse durch die Kriegseinwir
kung fi.t keine Rentenerhöhung eintreten könnten.
Bei den kleinen Renten, welche heute gezahlt werden, wird
aber das Lebensalter der Invaliden und Witwen gekürzt, und die
Waise» müssen körperlich verkümmern. So geht ein großer Teil
der Volkskraft, die wir so dringend benötigen, verloren, was ver
hütet werden muß. Dies ist nur möglich, wenn das Reich sich
bereit erklärt, die durch die Kriegseinwirkung verbrauchten Sum
men den Knappschaftsvereinen zu erstatten. Ebenso wie das
Reich Mittet bereitstellt, um sonstige Schäden, die der Krieg
verursacht, zu heilen, muß auch hier von Rechtswegen dafür ge
sorgt werden, daß die Knappschaftsrentner die harte Kriegszeit
überstehen können.
Die Knoppschaftsvereine sind ein solch wichtiger sozialer
Faktor, daß sie weiter leistungsfähig und auf gesunder Grund
lage erhalten werden müssen. Dies geschieht aber nur dann,
wenn man ihnen die Mehrleistungen, die ihnen durch den Krieg
aufgebürdet wurden, erstattet, auf daß sie die knappschaftlichen
Leistungen erhöhen können, ohne dabei zu befürchten, in Zukunft
zusammenzubrechen.
Wir geben uns deshalb der Hoffnung hin, daß unsere Ein
gabe bewirkt, den Knappschaftsinvaliden, Witwen und Waisen
das Durchhalten zu ermöglichen, indem aus Reichsmitteln dazu
beigetragen wird, das .Knappschaftswesen zu stärken und Mittel
zur Aufbesserung der Kwappschaftspensionen bereitzustellen.
Mit hochachtungsvollem Glückauf!
(Folgen Unterschriften der vier Bergarbeiterverbände.)