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Abgesehen von der Verfertigung des Glases wird in diesem
Institute das Schleifen und Polieren der Gläser mit vollkomme
nen, von den bisher bekanntlich sich wesentlich unterscheiden
den Maschinen und Vorrichtungen bewerkstelligt. Die Maschi
nenteile und die Stative und Fassungen der Instrumente werden
ebenfalls hier angefertigt und hierbei auch mehrere neue, das
Beobachten sehr erleichternde Vorrichtungen und Verbesserun
gen verwertet.
Der Arbeitsmarkt ist für die gesamte optische Industrie
in München sehr ungünstig, wie für alle Industrien, welche
gelernte Arbeiter benötigen. Man ist daher gezwungen, sich,
die Arbeiter selbst heranzubilden und bei größerem Bedarf
seine Arbeitskräfte aus Norddeutschland, insbesondere von Ber
lin, dem Sitz der Feinindustrie, zu beziehen. Die Roden-
stocksche Fabrik beschäftigt in München 190—200 Arbeiter
und zahlt in der eigentlichen Fabrikation größtenteils Akkord
lohn, um so der individual verschiedenen Leistungsfähigkeit
und Arbeitsgeschicklichkeit der Arbeiter gerecht zu werden.
Die Justierer können pro Woche bei regulärer Arbeitszeit bis
zu 45 Mark und mehr verdienen. Nur die Arbeiter, welche
in den Versuchswerkstätten und in der Fertigverarbeitung tätig
sind, erhalten Stundenlöhne, die je nach Beschäftigungsart von
45 bis 75 Pfennig betragen.
Kein Wunder ist es, daß eine Industrie, die aufs engste
mit der Landwirtschaft zusammenhängt, die Spiritus
in d u s t r i e, in einem Staate wie Bayern, den die Landwirtschaft
mehr als irgend einen der anderen Bundesstaaten fundamentiert
und beherrscht, eine hervorragende Stellung einnimmt. Die
Brennerei ist in Bayern fast ausschließlich landwirtschaftlicher
Nebenbetrieb. Den 2440 über ganz Bayern verbreiteten Ge
treide- und Kartoffelbrennereien mit 173 000 hl Jahresproduk
tion stehen nur 17 gewerbliche Brennereien dieser Art gegen
über, welche zusammen 23 000 hl produzieren. Speziell in
der Nähe der Stadt München gibt es infolge des guten Kar
toffelbodens eine Anzahl solcher Kartoffelbrennereien, welche
ausserdem durch die Bevorzugung der Kontingentsgestaltung
sehr günstig gestellt sind. Diese Brennereien in der Umgegend
Münchens liefern jährlich 5—6 Millionen Liter Rohspiritus von