Full text : Die Frau als kaufmännische Angestellte im Handelsgewerbe

stelltenkreises  angewiesen  waren.  In  bezug  auf  die  Verfassung  des
neu  zu  gründenden  Bundes  standen  zwei  Ansichten  gegenüber.  Königsberg ­
  beantragte  eine  vollständige  Zentralisation  der  Verwaltung  und  die
Überführung  der  bisher  selbständigen  Vereine  in  abhängige  Ortsgruppen.
Berlin  aber  wünschte  eine  beschränkte  Zentralisation  nur  für  alle
Standes-  und  sozialpolitischen  Aufgaben  unter  seiner  Leitung,  wollte
aber  alle  Wohlfahrtseinrichtungen  als  prinzipiell  nebensächlich  den
Lokalvereinen  überlassen.  Nach  lebhaftem  Widerspruch  einigte  man
sich  1905  auf  einer  Tagung  in  Frankfurt  a.  M.  auf  Grund  des  Berliner
Entwurfs.  Trotz  dieser  Erfolge,  die  dem  Berliner  Verband  einen  überwiegenden ­
  Einfluß  sicherten,  erklärte  er  plötzlich  seinen  Austritt.
Die  vielfach  scharfen  und  sorgsam  abwägenden  Kritiken  und  Erörterungen ­
  seiner  Forderungen  tragen  wohl  nicht  allein  die  Schuld,
sondern  auch  das  geringe  Interesse,  das  er  als  mächtigster  Verband
diesen  Bestrebungen  nach  Zusammenschluß  entgegenbringen  mußte,
da  der  Hauptgewinn  auf  seiten  der  kleinen  Vereine  lag,  die  durch  den
Zusammenschluß  mit  größeren  erst  zur  Wirksamkeit  gelangten.  Der
Berliner  Verein  hatte  offenbar  damit  gerechnet,  daß  die  verbündeten
kaufmännischen  Vereine  nicht  ohne  seine  Mitwirkung  und  Führung
würden  fortbestehen  können.  Die  Verbündeten  beschlossen  aber,  auch
ohne  seine  Hilfe  weiterzuarbeiten.  Mit  großen  Schwierigkeiten  hatten
sie  allerdings  zu  kämpfen;  aber  da  tüchtige  Persönlichkeiten  die  Leitung
übernahmen,  so  hat  der  Verein  sie  überwunden  und  die  Entwicklung
zu  einer  maßgebenden  Berufsorganisation  genommen,  deren  Mitgliederzahl ­
  im  Jahre  1912  schon  18  415  Personen  betrug.  Verschmelzungsversuche ­
  sind  nicht  wieder  unternommen  worden,  die  Verbündeten
kaufmännischen  Vereine  stellen  nur  eine  lose  Interessengemeinschaft
dar,  in  denen  die  Lokalvereine  ihre  Selbständigkeit  bewahren.  Auch
Mitarbeit  interessierter,  nicht  kaufmännisch  tätiger  Kreise  ist  zugelassen ­
  in  der  Erwägung,  daß  bei  der  großen  Arbeit,  die  noch  zu  leisten
ist,  jede  Kraft,  die  helfen  will,  auch  mitwirken  soll.
Lehnen  diese  Vereine  alle  politischen  oder  religiösen  Bestrebungen
ab,  so  ist  der  Gesamtverband  katholischer  kaufmännischer  Gehilfinnen
und  Beamtinnen  Deutschlands  auf  konfessioneller  Grundlage  aufgebaut.
Wie  bei  den  anderen  Gehilfinnenorganisationen  ging  auch  hier  der
Gedanke  zur  Gründung  Von  Außenstehenden  aus.  Auf  Anregung
katholischer  Geistlichkeit  wurde  1897  in  Köln  ein  Verband  katholischer
Gehilfinnen  gebildet.  Mit  sozialen  Motiven  mischen  sich  hier  religiöse,
denn  nur  auf  christlich-katholischer  Grundlage  übt  der  Verein  seine
Tätigkeit  aus,  die  reinen  Wohlfahrtscharakter  trägt.  Dementsprechend
werden  alle  Kräfte  zur  Mitarbeit  herangezogen.  Auf  Anregung  Kölns
und  nach  seinem  Muster  wurden  auch  in  anderen  Städten  solche  kon ­
            
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