Full text: Die Frau als kaufmännische Angestellte im Handelsgewerbe

fessionellen Vereine errichtet. Bald zeigte es sich aber auch hier, daß 
soziale Aufgaben in einem großen Rahmen mehr Aussicht auf Verwirk 
lichung haben, und daher wurde 1901 auf einer Tagung in Köln die 
Vereinigung der getrennten Einzelvereine vollzogen. Diese neue Ge 
meinschaft trat als Gesamtverband katholischer kaufmännischer 
Gehilfinnen Deutschlands ins Leben. Die Vereine behalten ihre völlige 
Selbständigkeit, da der Verband nur durch gegenseitige Hilfe die Macht 
•der einzelnen Vereine heben will, aber keine Zentralisation der Ver 
waltung bezweckt. 
Wegen der Konfessionalität des Verbandes hat die Mitgliederzahl 
•bis jetzt noch keineswegs die Höhe der beiden vorgenannten Vereine 
erreicht. 1912 wurden 6966 Mitglieder gezählt, doch ist eine weitere 
Zunahme sehr wahrscheinlich. 
Neben diesen nur für Frauen bestimmten Vereinen bestehen auch 
gemischte Organisationen, die kaufmännische Angestellte beiderlei 
Geschlechts aufnehmen. Hierher gehören: der Zentralverband der 
Handlungsgehilfen und -gehilfinnen Deutschlands und der Verein der 
deutschen Kaufleute; doch ist ihre Bedeutung gerade für die Organi 
sation der Frauen ganz gering, da Männer die Führung haben und 
weibliche Mitglieder fast immer die Minderheit darstellen. Der Ein 
fluß der Frauen durch ihre Mitgliedschaft in Berufsvereinen be 
schränkt sich auf den, den sie durch reine Frauenorganisation 
■ausüben. 
Außerdem bestehen einzelne Fach verbände; da sie sich aber wesent 
lich auf einen Teil der Angestellten beschränken, und ihre Mitgliederzahl 
demnach recht gering sein wird, so ist ihr Einfluß in wirtschaftlichen 
und sozialen Fragen nicht von Belang. 
Eine Möglichkeit, daß auch kleinere Verbände ihre Kräfte in den 
Dienst der Gesamtheit stellen, besteht nur in der Zusammenfassung. 
Aus dieser Einsicht, durch die Masse zu wirken, sind Bestrebungen zu 
verstehen, die die Vereine zu gemeinsamer Arbeit heranziehen wollen. 
Bis zu einem gewissen Grad ist das auch dem Deutschen Verband 
kaufmännischer Vereine gelungen, der 1889 gegründet wurde, aber erst 
/1896 auch weibliche Beteiligung gestattete. Der Verband arbeitet nur 
.mit Vereinen, Einzelmitglieder sind ausgeschlossen. Ein solcher Ver 
such, alle Beteiligten zu gemeinsamer Arbeit zu gewinnen, wird immer 
große Schwierigkeiten bieten, da zu widerstrebende Elemente mitein 
ander in Verbindung gebracht werden sollen. Alle Richtungen werden 
daher nie vertreten sein und im Verband die Ansichten herrschen, die 
der mächtigste Verein vertritt. Für die Angestellten ist es daher be 
deutend wichtiger, ihre Kräfte in den einzelnen Gehilfinnenorganisatio- 
sienzu konzentrieren und auf diese Art ihre Forderungen durchzuführen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.