Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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eine  4%tge  Verzinsung  von  dem  investierten  Kapital,  so  arbeitet  Sulz  mit
einem  Verlust  von  zirka  6%,  währenddem  unsere  anderen  Salinen  eine  Rente
von  15,38  %  liefern".
In  der  genannten  Sitzung  der  Kammer  trat  nunmehr  der  Abg.  Böhm
(Sulz)  für  den  Fortbestand  der  Saline  mit  warmen  Worten  ein.  Nicht  mit
Unrecht  führte  der  Abg.  Böhm  aus,  daß  Stadt  Sulz  und  Saline  Sulz  seit
Jahrhunderten  innig  verbundene  Begriffe  sind.  Mit  Recht  wurde  darauf  aufmerksam ­
  gemacht,  daß  mit  Aufhören  der  Saline  die  in  den  benachbarten  Bezirken ­
  ansässige  kleine  Landwirtschaft  des  billigen  und  guten  Düngemittels  der
Hallerde  verlustig  gehen  würde.  Die  Stadt  selbst  genießt  hierdurch  einen  wirtschaftlich ­
  wertvollen  Handelsverkehr,  da  die  Bauern,  welche  die  Hallerde  abholen, ­
  oft  zu  100  bis  150  Fuhrwerken  an  einem  Tage  in  Sulz  erscheinen.
Ferner  würde  mit  der  Aufgabe  der  Saline  auch  das  seit  einigen  Jahrzehnten
bestehende  Solbad  zu  Sulz  in  seinem  Bestände  bedroht  sein.  Gerade  in  der
Gemeinde  Sulz  hat  sich  in  den  letzten  Jahren  auf  Grund  des  Solbades  ein
lebhafter  Fremdenverkehr  entwickelt,  was  auch  zur  Errichtung  eines  größeren
Badehotels  geführt  hat.  Die  Stadt  Stuttgart  hat  im  letzten  Jahr  200  Kinder
zur  Erholung  in  dieses  freundliche  kleine  Schwarzwaldbad  Sulz  geschickt.  Diese
Entwicklung  zur  Badestadt  würde  durch  das  Eingehen  der  Saline  zweifellos
schwer  geschädigt  iverden.  Und  noch  ein  dritter  Grund  spricht  für  die  Erhaltung
der  Saline;  denn  mit  deren  Stillegung  würde  die  bisher  von  Sulz  aus  erfolgte ­
  Kochsalzversorgung  der  umliegenden  Oberämter  vermutlich  der  im  benachbarten ­
  Hohenzollern  befindlichen  kgl.  preuß.  Saline  Stetten  zufallen.  Die  Annahme, ­
  daß  die  Kochsalzproduktion  von  Sulz  seitens  der  Saline  Wilhelmshall
übernommen  werden  könnte,  dürfte  sich  nur  zum  Teil  verwirklichen.  In  Würdigung ­
  dieser  Tatsachen  ist  denn  auch  die  Stellung  der  Württembergischen  Regierung ­
  vorläufig  auf  eine  Erhaltung  der  Saline  Sulz  gerichtet.  Mit  bezug
hierauf  machte  der  Württembergische  Staatsminister  der  Finanzen  v.  Geßler  in
der  Kammer-Sitzung  vom  7.  Juni  1909  folgende  Ausführungen:  „Wenn  sodann ­
  die  Verwaltung  in  dem  vorliegenden  Etat  von  einer  Aushebung  der  Saline ­
  Sulz  absehen  zu  sollen  geglaubt  hat,  so  ist  sie  hiebei  davon  ausgegangen,
daß  die  Verhältnisse  dieser  Saline  nicht  so  beschaffen  sind,  daß  eine  Aufhebung
der  Saline,  wenigstens  zur  Zeit  und  so  lange  als  die  bestehenden  Verhältnisse
fortdauern,  als  eine  Notwendigkeit  angesehen  werden  könnte,  denn  man  wird
immerhin  mit  der  Saline  mit  einer,  wenn  auch  bescheidenen  Rente  noch  rechnen
können  und  außerdem  kommt  in  Betracht  das  Bedürfnis,  das  sich  in  der  ganzen
Umgegend  für  die  Beschaffung  von  Hallerde  gezeigt  hat"  l ).
In  den  weiteren  Verhandlungen  wurde  noch  darauf  hingewiesen,  daß  sich
eine  Versetzung  der  Arbeiter  an  andere  Staatssalinen  schwer  durchführen  lassen
würde,  da  ein  großer  Teil  der  Arbeiter  Hans  und  Acker  besitze.  Bedenken
fanden  die  hohen  Verwaltungskosten  der  Saline.  Der  Beamtenapparat  umfaßt
einen  Salinenverwalter  mit  4500  M.,  einen  Platzmeister  mit  2200  M.  und
einen  Kanzleilehrling  mit  500  M.  Jahresgehalt.  Es  wurde  in  Vorschlag  gebracht, ­
  die  Verwaltung  teilweise  von  der  Kgl.  Saline  Wilhelmshall  mitbesorgen
zu  lassen.  Die  württembergische  II.  Kammer  kam  zu  folgendem  Ergebnis.  Der
Antrag  der  Finanz-Kommission  gelangte  zur  Annahme.  Hiernach  hätte  also  die

1)  Verhandlung  d.  württ.  II.  Kammer.  Protokoll  Band  2,  S.  967.
            
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