Full text: Bevölkerungslehre

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Zweiter systematisch-theoretischer Teil 
ist, ob Großgrund- oder ob Kleinbesitz vorherrscht. Hier muß ein 
Punkt kommen, an dem es mit keinen wirtschaftlich erträglichen 
Mitteln mehr gelingt, auf dem heimischen Boden eine Besserung in 
dem fehlenden Gleichgewicht zwischen Boden und Arbeit herbei- 
zuführen. 
Wo dieses fehlende Gleichgewicht nicht mehr hergestellt werden 
kann, da können verschiedene Wirkungen eintreten, in deren Vor- 
kommen sich im Laufe der geschichtlichen , Entwicklung wichtige 
Wandlungen vollzogen haben. Dem primitivsten Ausweg begegnen 
wir bei Völkern niederer Wirtschaftsstufen, wenn es ihnen nicht 
gelingt, sich in den Besitz neuen Bodens zu setzen. Auf dieser 
Stufe treten dann in schärfster Form die repressiven Hemmnisse von 
Malthus ein; Hunger und Not schrauben die Volkszahl auf die 
Größe des Nahrungsspielraumes zurück. Der zweite Weg, den wir 
in der Vergangenheit so häufig angetroffen haben, namentlich bei 
den Griechen und Germanen in der Frühzeit ihrer Geschichte, ist 
die Besitznahme neuen Landes, entweder durch den ganzen Stamm 
oder durch Teile desselben, für welche die alte Heimat keine Er- 
nährungsmöglichkeiten mehr bietet. Einer solchen Besitznahme 
begegnen wir bis tief hinein in unsere Tage dort, wo europäische 
Staaten Kolonien erworben haben, die zur Siedelung für europäische 
Auswanderer geeignet waren und die Möglichkeit boten, einen Teil 
des heimischen Volkszuwachses bei sich aufzunehmen. Auch die ganze 
Auswanderung als solche, auch in von der Heimat politisch unab- 
hängige Gebiete, gehört in den Rahmen dieser Mittel. Der dritte 
Weg ist dann der oben geschilderte Austausch von Boden gegen 
Arbeit auf dem Wege des internationalen Warenverkehrs. Die ersten 
Wege, die man namentlich in älteren Zeiten einschlug, bewirkten 
immer wieder, daß die Volkszahl eines Landes nicht über den innen- 
bedingten Teil des Nahrungsspielraumes hinauswuchs; der moderne 
Austausch von Boden gegen Arbeit, der erst in den letzten Menschen- 
altern einen so großen Umfang annahm, machte es dagegen möglich, 
dem Zuwachs an Bevölkerung in der eigenen Heimat Unterhalt und 
Fortkommen zu gewähren. Ohne diese besondere Art des inter- 
nationalen Warenaustausches wäre ein solches Wachstum der Volks- 
zahl, wie wir es kennen gelernt haben, in den europäischen Staaten 
unmöglich gewesen. Die Tatsache, daß somit zu dem innenbedingten 
Teil des Nahrungsspielraumes in steigendem Umfang Lebens- und 
Unterhaltsmöglichkeiten hinzukamen, die von fremdem Boden und 
aus fremden Ländern stammten, hat zu diesem Volkswachstum die 
unentbehrliche Voraussetzung gegeben. Allerdings ist mit diesem
	        
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