Full text : Die deutsche Ölmüllerei

HO  III.  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.
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bei  Verwendung  menschlicher  Arbeitskräfte  für  diese  Zwecke.
Wo  diese  Rentabilitätsgrenze  liegt,  wird  sich  immer  nur  von  Fall
zu  Fall  entscheiden  lassen,  denn  dieselbe  schwankt  je  nach  der
Höhe  der  örtlichen  Tagelöhne  und  der  durchschnittlichen  Menge
der  Saatvorräte  bei  jeder  Ölmühle 6 ).  Aus  diesem  Grunde  können
hier  denn  auch  über  diese  Punkte  keine  bestimmten  Angaben
gemacht  werden,  ich  muß  mich  vielmehr  mit  der  Mitteilung  begnügen, ­
  daß  ich  auf  meinen  Studienreisen  mechanische  Speicheranlagen ­
  nur  in  Großbetrieben  mit  mehr  als  30  t  täglicher  Verarbeitung ­
  vorgefunden  habe,  wohingegen  mechanische  Förderung ­
  der  Ölsaaten  in  mehr  oder  minder  ausgedehntem  Maße
auch  bereits  in  Mittelbetrieben,  d.  h.  in  Betrieben  mit  einer  täglichen ­
  Verarbeitung  von  je  3000  bis  ca.  20000  kg  Saat,  stattfand.
Gehen  wir  nunmehr  zu  den  Bestrebungen  über,  welche  darauf ­
  abzielten,  die  beim  Verpacken  der  Saat,  Füllen  und  Entleeren  6

6 )  Die  durchschnittlichen  Saatvorräte  einer  Ölmühle  sind  je  nach  der
Art  der  verarbeiteten  Saat  (a),  der  örtlichen  Lage  der  Ölmühle  (b),  der
Kapitalkraft  der  Unternehmer  und  der  jeweiligen  Konjunktur  (c)  verschieden.
a)  Die  Leinölfabriken  z.  B.  verarbeiten  Saat  aus  Argentinien,  Indien
und  Rußland.  Da  die  Erntezeit  in  diesen  Ländern  verschieden
ist,  steht  den  Fabriken  das  ganze  Jahr  Rohmaterial  zur  Verfügung. ­
  Anders  z.  B.  bei  der  Verarbeitung  von  Erdnüssen.
Diese  werden  nur  einmal  im  Jahr  geerntet,  und  die  Fabriken
decken  ihren  Rohmaterialbedarf  dann  ein;  allerdings  wird  die
Lieferung  auf  mehrere  Monate  verteilt,  aber  die  Fabriken  haben
doch  bedeutend  größere  Vorräte  als  im  allgemeinen  gleich  große
Leinölfabriken.  So  beliefen  sich  z.  B.  die  Saatvorräte  der  größten
deutschen  Speiseölfabrik,  des  „Vereins  deutscher  Ölfabriken",  bei
Aufstellung  der  Bilanz  1909  an  Erdnüssen,  Sesamsaat  und  Mohnsaat ­
  auf  ca.  32000  t  im  Werte  von  fast  9  Mill.  M.,  wohingegen
eine  der  größten  deutschen  Lein-  und  Cottonölfabriken  mit  einer
täglichen  Verarbeitung  von  ca.  290  t  Saat  nur  durchschnittlich
5000  t  Ölsaaten  vorrätig  zu  halten  braucht,  wie  Verfasser  durch
persönliche  Erkundigung  feststellen  konnte.
b)  Die  Mühlen  im  Binnenlande  sind  bei  den  hohen  Eisenbahnfrachten
auf  den  Wasserweg  bei  Bezug  ihrer  Saat  angewiesen  (vgl.  IV.  Abschnitt). ­
  Viele  Wasserwege  sind  nun  aber  im  Winter  gesperrt
(z.  B.  die  Oder),  so  daß  die  dort  liegenden  Fabriken  gezwungen
sind,  ihren  Rohmaterialbedarf  schon  vor  Schluß  der  Schiffahrt
für  den  ganzen  Winter  einzulagern.
c)  Bei  billigen  Saatpreisen  und  der  Aussicht  auf  höhere  Preise  wird
der  Fabrikant  größere  Vorräte  halten  als  im  umgekehrten  Falle.
Natürlich  richten  sich  die  Vorräte  auch  nach  der  Kapitalkraft  des
Unternehmens.
            
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