Full text : Die deutsche Ölmüllerei

112  HI.  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.

brochen,  daß  eine  vollständige  Gewinnung  alles  in  den  Samen
bzw.  Früchten  enthaltenen  Öles  mit  Hilfe  des  Preßverfahrens
nicht  möglich  sei,  und  daß  im  übrigen  beim  Preßverfahren  die
Größe  der  Ölausbeute  in  hohem  Maße  von  der  Art  der  Zerkleinerung ­
  und  Erwärmung  der  Ölsaaten  abhängig  sei.  So  kam  es,
daß  nunmehr  bei  der  Konstruktion  der  hydraulischen  Pressen
das  Problem  der  Erhöhung  der  Ölausbeute  etwas  mehr  in  den
Hintergrund  trat,  und  statt  dessen  das  Bestreben  der  Verbilligung ­
  der  Betriebskosten  durch  Verminderung  der  Handarbeit,
Erhöhung  der  Produktivität  der  Pressen  und  Herabsetzung  des
Preßtuchverschleißes  das  Übergewicht  gewann.
Ich  muß  es  mir  im  Rahmen  dieser  Abhandlung  versagen,  im
einzelnen  auf  die  unendlich  vielen  Pressenkonstruktionen  der
vergangenen  sechzig  Jahre  einzugehen,  kann  vielmehr  nur  in
großen  Zügen  eine  Skizze  der  Entwicklung  geben,  um  dann  an
den  heutigen  hauptsächlichsten  Pressenkonstruktionen  kurz  zu
untersuchen,  einerseits  ob  und  inwieweit  die  eben  angedeuteten
Bestrebungen  Erfolg  gehabt  haben,  andererseits  welche  wirtschaftlichen ­
  Folgen  mit  Einführung  dieser  Vervollkommnungen
verbunden  waren.
In  den  größeren  Ölmühlen  Deutschlands,  namentlich  in  der
Rheingegend,  waren  bis  in  die  siebziger  Jahre  allgemein  liegende
hydraulische  Pressen  als  Nachpressen  im  Gebrauch,  während
man  in  den  kleinen  Mühlen,  besonders  in  den  Wasserölmühlen,
meistens  mit  stehenden  Pressen  sowohl  zum  Vorschlag  wie  auch
zum  Nachschlag  arbeitete.  Dies  hatte  seinen  Grund  einmal  in
der  mit  der  Aufstellung  von  Vertikalpressen  verbundenen  Raumersparnis, ­
  die  bei  Wassermühlen  sehr  ins  Gewicht  fiel,  zum  anderen ­
  in  dem  großen  Preisunterschied  zwischen  diesen  beiden
Pressentypen,  kosteten  doch  die  stehenden  Pressen  ca.  400  bis
700  Tlr.,  während  sich  der  Preis  der  liegenden  Pressen  mit
Kontre-Presse  auf  fast  2000  Tlr.  stellte.  Bei  den  einfachsten  Ausführungen ­
  der  stehenden  Presse  wurden  die  in  Beutel  verpackten
Samenpakete  einfach  in  der  Presse  übereinander  gelegt,  und  zwischen ­
  die  einzelnen  Pakete  kam  je  eine  Eisenplatte,  um  den  Ölabfluß ­
  zu  erleichtern.  Die  Nachteile  derartiger  Pressen  liegen
klar  auf  der  Hand,  ist  doch  ihre  Bedienung  sehr  umständlich
und  der  Preßtuchverschleiß  sehr  groß 8 ).  Eine  derartige  Presse

8 )  Die  vom  Wärmeofen  kommenden  Samen  werden  vom  Arbeiter
von  allen  Seiten  in  Tücher  eingeschlagen  und  dann  zur  Presse  gebracht.
            
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