120 HI. Die Ausbildung des Fabrikbetriebes von 1870 bis zur Gegenwart.
schwenken der Seiher geht in wenigen Sekunden vor sich und
zur Bedienung der ganzen Presse ist nur ein Mann nötig. Verarbeitet
werden können auf ihr im Vorschlag in 24 Stunden
ca. 18000—20000 kg Saat. Eine wie ungeheure Steigerung der
Produktivität damit eingetreten ist, können wir erkennen, wenn
wir uns vergegenwärtigen, daß auf den für ihre Zeit (1840 bis
1870) sehr leistungsfähigen Faßbenderschen Siebtopfpressen in
24 Stunden nur ca. 6000 kg Vorschlaggut verarbeitet werden
konnten 24 ).
Durch die Kombinierung zweier Drehpressen zu einer Art
Drehpressenbatterie, bei welcher eine Füllpresse zwei Effektiv-Pressen
bedient, ist es gelungen, die Preßdauer einer solchen
Batterie gegen die einer einfachen Drehpresse zu verdoppeln.
Eine solche „Drehpressenbatterie“, welche meist auch in der
oben geschilderten Weise als Verbundpresse ausgebildet ist,
wird ebenfalls von nur einem Arbeiter bedient, und ihre Leistung
beträgt im Vorschlag in 24 Stunden bis zu 30000 kg Saatmehl.
Wenden wir uns nunmehr im Anschluß an die Ausführungen
über die Vervollkommnung der verschiedenen Pressentypen der
Erörterung der Frage zu, welchen Einfluß die Einführung dieser
Verbesserungen in die Praxis auf die Entwicklung der deutschen
Ölmüllerei gehabt hat, oder m. a. W., worin die volkswirtschaftliche
Bedeutung dieser technischen Verbesserungen liegt.
Ich habe bereits durch ausführliches Zahlenmaterial .die Tatsache
erhärtet, daß die vervollkommneten Pressen eine bedeutend
höhere Produktivität aufweisen, als die bis dahin im Gebrauch
gewesenen. Daraus ergibt sich für die Kleinbetriebe,
welche von den alten Keilpressen oder von den älteren hydraulischen
Pressen zu den modernen hydraulischen Pressen übergehen
wollen, ohne weiteres, auch wenn die Besitzer eine Vergrößerung
des Betriebes nach Möglichkeit zu umgehen suchen,
eine Steigerung der täglichen Produktion und damit eine Vergrößerung
des Betriebes. Nicht allein, daß die zur Aufrechterhaltung
eines ununterbrochenen Betriebes notwendigen Saatvorräte,
sowie zeitweilig auch die Vorräte an Öl und Kuchen
wachsen, diese größeren Vorräte an Rohmaterialien und Fabrikaten
erfordern auch größere Lagerräume, die Wärmeapparate,
**) Berechnet nach Angaben bei Scholl, 1. c. und Rühlmann, 1. c.