Full text : Die deutsche Ölmüllerei

2.  Die  Entwicklung  an  der  Hand  der  statistischen  Aufnahmen.  159

lung,  so  weit  dieselbe  von  obigen  drei  Faktoren  abhängig  war,
eine  bedeutende  Vergrößerung  der  Betriebe  ergeben  hat,  werden ­
  sich  also  meine  Untersuchungen  auf  die  Feststellung  zu
erstrecken  haben,  ob  überhaupt  und  bis  zu  welchem  Grade  eine
Konzentration  in  der  Ölmüllerei  innerhalb  der  mich  hier  beschäftigenden ­
  Zeitperiode  stattgefunden  hat.
Zu  diesem  Zwecke  stelle  ich  zunächst  den  Ergebnissen  der
Gewerbezählung  von  1861  diejenigen  der  Zählung  von  1907
gegenüber:
Im  Jahre  1861  gab  es  im  Gebiete  des  deutschen  Zollvereins
9782  Ölmühlen  mit  insgesamt  16240  Erwerbstätigen.  Die  Menge
der  verarbeiteten  Rohmaterialien  dürfte  sich  schätzungsweise
auf  ungefähr  500—550000  t  belaufen  haben 1 ).
Nach  der  Gewerbestatistik  von  1907  betrug  dagegen  die
Zahl  der  Ölmühlen,  Ölraffinerien  und  Pflanzenfettfabriken *  2 )  im
Deutschen  Reiche  nur  mehr  1777  (Haupt-  und  Nebenbetriebe).
Die  Zahl  der  in  den  1116  Hauptbetrieben  Erwerbstätigen  belief
sich  auf  8711.  Die  Menge  der  in  den  Ölmühlen  jährlich  verarbeiteten ­
  Rohmaterialien  war  jedoch  bis  zum  Jahre  1909  auf
mehr  als  1200000  t 3 )  gestiegen.
Ganz  allgemein  kann  man  somit  feststellen,  daß  eine  gewaltige ­
  Konzentration  in  der  Ölmüllerei  in  den  letzten  fünf  Jahrzehnten ­
  statgefunden  hat.  Es  hat  sich  die  Zahl  der  Betriebe
seit  1861  um  rund  82°/ 0  vermindert,  wohingegen  die  Gesamtproduktion ­
  um  etwas  über  100  °/ 0  gestiegen  ist.  Im  Jahre  1861
wurden  im  Durchschnitt  in  jeder  Ölmühle  56,2  t  Rohmaterial
verarbeitet,  1909  dagegen  über  675  t;  es  entspricht  dies  einer
durchschnittlichen  Steigerung  der  Produktion  der  einzelnen  Ölmühle ­
  um  1100%.  Der  Ersatz  der  menschlichen  Arbeit  durch
Kapital  kommt  in  den  folgenden  Ziffern  zum  Ausdruck:  Es
kamen  an  jährlich  verarbeiteten  Rohmaterialien  im  Durchschnitt
auf  jeden  Arbeiter  1861  ca.  34  t,  1909  dagegen  ca.  137  t;  man  hat

*)  Berechnet  auf  Grund  der  Einfuhr-  und  Ausfuhrstatistik,  sowie  verschiedener ­
  Angaben  über  die  Anbaufläche  der  Ölgewächse.
2 )  Die  Zahl  der  Pflanzenfettfabriken  (diese  werden  mit  den  Ölmühlen
in  der  gleichen  Gewerbeklasse  gezählt)  ist  nur  gering  und  verändert  die
Resultate  nur  unwesentlich.
a )  Berechnet  auf  Grund  der  Einfuhr-  und  Ausfuhrstatistik,  der  Aufnahmen ­
  über  den  Anbau  der  Ölgewächse  und  der  durchschnittlichen
Ernteerträge.
            
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