64 II- Die Entstehung und Ausbildung des Fabrikbetriebes bis 1870.
auch ganz allgemein finden wir jetzt eine bedeutende Verbesserung
der Qualität der Öle. Man erreichte dies durch bessere
Reinigung der Saaten (mehrmaliges Durchsieben derselben),
durch vorsichtigere Erwärmung (an Stelle der direkten Erwärmung
über freiem Feuer trat häufig die indirekte Erwärmung
über kochendem Wasser oder Dampf, wodurch Anbrennen vermieden
wurde) und durch bessere Reinigung der erzeugten Öle
(neben der vorher beschriebenen Raffination mit Schwefelsäure
kamen noch verschiedene andere Reinigungsmethoden in Aufnahme).
Besondere Fortschritte erzielte man ferner bei der Zerkleinerung
der Ölsaaten. Die Überlegenheit des Ölganges über
das Stampfwerk wurde jetzt allgemein anerkannt und führte
nach Aufhebung des Mühlsteinregals zur Anschaffung desselben
in den meisten Mühlen. War dadurch schon eine bedeutende
Kraftersparnis und Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Ölmühlen
erzielt, so wurde diese noch vermehrt durch die Einführung
der Quetschwalzen. Sowohl bei den Stampfwerken
wie auf den Ölgängen wurde nämlich die Zerkleinerung der Ölsaaten
dadurch verzögert, daß sich am Anfänge der Arbeit immer
ein Teil der Samen infolge ihrer runden oder eiförmigen Oberfläche
durch Abgleiten der Bearbeitung entzog. Man suchte
diesem Nachteil durch Anbringung der Streichwerke an den Ölgängen,
sowie dadurch, daß man den Stampfgruben eine eiförmige
Gestalt gab, abzuhelfen, ohne daß dies jedoch vollständig
gelang. Erst die Quetschwalzen brachten hier eine durchgreifende
Besserung; ihre Wirksamkeit erklärt sich dadurch 8 ), „daß,
indem kein Korn unzerteilt aus den Walzen herauskommt, bei
den fertigmahlenden Vorrichtungen kein Ausweichen, kein
Aufenthalt und Kraftverlust entstehen kann“. Die Walzwerke
beginnen durch das Zerreißen der Samenkörner die Zerkleinerung,
weiter fortgeführt wird dieselbe dann auf den Ölgängen
oder Stampfwerken. Der Vorteil der Quetschwalzen war also
nur ein indirekter, sie trugen selbst wenig zur Zerkleinerung bei,
erhöhten aber die Leistung der übrigen Maschinen.
Die Einrichtung solcher Walzwerke war eine sehr einfache,
sie bestanden nämlich in der Hauptsache nur aus zwei parallel
zueinander auf einem Gestell gelagerten Walzen, deren Entfer-8
) Scholl, 1. c. S. 17.